vernetzte Informationswirtschaft / Eigenschaften der Information

 

In dem Kapitel “Vernetzte Informationswirtschaft (Yochai Benkler)” geht der Autor Tilo Schmaltz auf verschiedene Aspekte der vernetzten Informationswirtschaft ein. Er vergleicht die vernetzte Informationswirtschaft des 21. Jahrhunderts mit der Produktion von Massenmedien in der industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts.

Die Produktion einer Information war weitaus kostenspieliger, zeitaufwändiger und die Kontrolle über die Information selbst war meißt nur einer kleinen mächtigen Gemeinschaft überlassen. Dies änderte sich erheblich durch technologischen Fortschritt. Es existiert wahrscheinlich kein Privathaushalt mehr, der nicht mindestens ein funktionierenden Computer, geschweige denn ein Smartphone mit Internetanschluss besitzt. Allein in Deutschland macht das rein theoretisch ca. 82 Millionen Menschen zu potentiellen Mitwirkenden der vernetzten Informationswirtschaft. Sprich die Information wird dank Computer und Internet für die Masse kostenlos und frei verfügbarer. Es ist ein Gut was nicht aufgebraucht werden kann und nur durch Einschränkungen wie durch Gesetze zu einem marktwirtschaftlich handelbarem Gut wird. Laut Benkler haben Informationen demnach drei relevante Eigenschaften, die ich mit Bezug auf diesem Blogpost als Beispiel erläutere.

  1. Information ist nicht-rivalitär:Es ist kein Verbrauchsgut, ob es genutzt oder nicht genutzt wird. – Dieser Blogpost bleibt unverändert, ob er nur von einer Person gelesen wird oder von hundert Personen.
  2. Information erzeugt keine Grenzkosten: Grenzkosten der Informationsgüter streben gegen null, wenn man von den Kosten des Trägermediums und der Bereitstellung der Information absieht. –   Die Kosten für diesen Blogpost sind die Erhaltskosten des Servers für den Blog selbst und die investierte Zeit meiner eigenen Person.
  3. Information basiert immer auf Information: Ohne einer Informationsgrundlage kann es keine Informationsproduktion geben. – Ohne den gegeben Text von Tilo Schmaltz, der widerum auf den Text von Benkler referiert, würde dieser Blogpost nicht existieren.

Für mich stellt sich jedoch die Frage: Wann ist Information eine Information?  Gibt es verschiedene Arten von Information? War dieser Blogpost eine Information für Dich? Welche Information bedarf es demnach um eine vernetzte Informationswirtschaft zu produzieren?

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

Yochai Benkler und die Informationsgüter

Tilo Schmaltz fasst in seinem Text „Vernetzte Informationswirtschaft“ Yochai Benklers Ausführungen über den „Einfluss der Sozialen Medien auf die Produktion von Informationsgütern“ (Schmaltz: S. 174) zusammen und beschreibt unter anderem die verschiedenen Aspekte des Paradigmenwechsels gegenüber der industriellen Informationsproduktion (Schmaltz: S. 175) sowie die Eigenschaften der modernen Informationsgüter (Schmaltz: S.176) und stellt Forderungen für die post-industrielle Informationswirtschaft auf (Schmaltz: S.180).

In diesem Beitrag werde ich mich genauer auf die Eigenschaften der Informationsgüter beziehen und versuchen sie anhand von Beispielen differenziert zu beschreiben.

Benkler benennt drei Eigenschaften für die Informationsgüter der postmodernen Informationswirtschaft.

Zum einen sind, so Benkler, Informationen an sich nicht-rivalitär. Das bedeutet, dass Informationen (zumindest theoretisch) für Jede*n immer verfügbar sind, unabhängig davon, ob sie benötigt und genutzt werden oder nicht.
Bleibt man beispielsweise bei dem Schreiben von einem Blog, so ist dieser in der heutigen Gesellschaft immer verfügbar. Er ist auch dann verfügbar, wenn sich keine*r für den Blog von Person A über ihre Lieblingsbackrezepte interessiert und ihn keine*r liest. Des Weiteren löscht sich der Informationsgehalt des Blogs auch nicht, sobald ihn zum Beispiel zehn Personen gelesen haben, weil er dann „alle“ ist. Denn sobald eine Information einmal existiert, existiert sie für immer. Theoretisch sind der Blog selber sowie die Informationen des Blogs für immer verfügbar.

Informationen können unbegrenzt weitergetragen werden und verursachen selbst keine Vervielfältigungskosten. Lediglich das Trägermedium der Information, zum Beispiel eine Diskette, verursacht Unkosten; die Information selbst aber nicht. Damit liegen die Grenzkosten von Informationsgütern als bei null (Schmaltz: S.176).

Als dritte Eigenschaft von Informationsgütern nennt Benkler die Tatsache, dass Informationen immer auf anderen Informationen basieren. Die Information, die noch vor einigen Wochen täglich in den Nachrichten zu hören/lesen waren, dass möglicherweise Wrackteile der Boeing777 MH 370 im Indischen Ozean entdeckt wurden, macht nur Sinn, weil man vorher die Information erhalten hat, dass eben dieses Flugzeug seit einiger Zeit spurlos verschwunden und höchstwahrscheinlich über dem offenen Meer abgestürzt ist.

Quellen:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

Vernetzte Informationswirtschaft

Freies Wissen für alle

Das Internet bietet unzählige Möglichkeiten der Kollaboration. In „Vernetzte Informationswirtschaft“ beschreibt Tilo Schmaltz die Veränderung der Informationsproduktion durch soziale Netzwerke nach Yochai Benkler (Schmaltz 2012: 174). Im 21. Jahrhundert unterliegen Informationen nicht länger wenigen mächtigen Produzenten, die Zugang und Verbreitung einschränken, sondern können über das Internet jederzeit kostenlos abgerufen werden (ebd.).

Die vernetzte Informationswirtschaft steht der industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts gegenüber. Informationsproduktion findet dezentralisiert in Form von Peer-Produktion statt, d.h. der gemeinsamen Arbeit von voneinander unabhängigen, gleichberechtigten Individuen an einem Projekt (Schmaltz 2012: 177). Im Grunde kann sich hier jede und jeder beteiligen, sobald er oder sie über einen Computer mit Internetzugang verfügt. Ein Vorteil der Peer-Produktion ist z.B. die Möglichkeit der Arbeitsteilung: je mehr Menschen an einem Projekt zusammenarbeiten, desto weniger Aufwand hat der bzw. die einzelne und desto detaillierter können Informationen erarbeitet werden. Als berühmtes Beispiel der Peer-Produktion führt Schmaltz die Wikipedia an, auf die wahrscheinlich jede*r schon einmal zugegriffen hat, um sich grundlegende Informationen zu einem bestimmten Thema anzueignen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Produktionsgütern können einmal hergestellte Informationen nicht aufgebraucht werden. Nur durch „künstliche Verknappung“ (Schmaltz 2012: 176) durch Gesetze oder Zensur kann Menschen der Zugang zu ihnen verwehrt werden. Die soziale Informationsproduktion ist nicht an monetären Gewinn gebunden. Der Wertzuwachs der sozialen Informationsproduktion ist also kein wirtschaftlicher, sondern ein gesellschaftlicher (Schmaltz 2012: 179). Menschen stehen miteinander in Kontakt und helfen sich gegenseitig. Sie erarbeiten selber Inhalte und überarbeiten bereits erstellte Beiträge von anderen. Diesen sozialen Diskurs halte ich persönlich für sehr erstrebenswert.

 

Quellen:

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.