Collaborative Consumption

Ist gemeinschaftlicher Konsum der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Zukunft?

Kollaborativer Konsum tritt in vielen Formen auf. Sei es als uneingeschränkter Zugang zu Informationen im Internet (1), dem Tauschen von nicht mehr getragenen Anziehsachen, oder dem Teilen eines Gartens: In fast jedem Lebensbereich gibt es die Möglichkeit Ressourcen mit anderen zu teilen und dadurch effektiver zu nutzen.

Für die Konsument*innen ergeben sich aus der gemeinschaftlichen Nutzung diverse Vorteile. Sie haben leichteren Zugang zu Produkten, Dienstleistungen und Aktivitäten und sparen dabei Zeit, Platz und Geld (Vgl. Botsman und Rogers 2011: S.15). Dennoch entstehen durch diese Form des Konsums auch neue rechtliche Herausforderungen, z.B. bei dem Vermieten einer Wohnung auf Airbnb, 9flats oder ähnlichen Websites. In meinem Bekanntenkreis wurde eine zeit lang viel darüber diskutiert, ob es in Ordnung sei, seine leerstehende Wohnung einfach an Urlauber*innen zu vermieten und sich dadurch eine kleine (oder große) Summe dazu zu verdienen. So richtig in Ordnung fanden das nicht alle, aber im Grunde ist vermieten immer noch besser, als die Wohnung komplett ungenutzt zu lassen oder? Vor allem, wenn man weiß, dass man die Wohnung nur für einen begrenzten Zeitraum nicht nutzen kann, weil man z.B. im Ausland ist. Wenn man aber nicht gerade Jurist ist, stellt man sich bei solchen Sachen oft eine Frage: Darf ich das überhaupt?

Die Stadtregierung von Amsterdam sagt dazu ganz klar „ja!“ – denn Amsterdam hat sich als Ziel gesetzt, Europas erste „shareable city“ (2) zu werden. Deswegen wirbt sie öffentlich für die Nutzung von carsharing-Angeboten und spricht sich positiv zu Airbnb als „wirtschaftlichen Stimulus [aus, der] anscheinend ein Bedürfnis der heutigen Touristen erfüllt“ Wohnungen stünden bei Abwesenheit nicht leer und die Stadt habe ein größeres touristisches Angebot zu bieten (Amsterdam 2013) (2).

Die kollaborative Lebensart führt nicht nur zur Ersparnis von Zeit und Geld und zur Möglichkeit neue Bekanntschaften zu machen, sie ist auch ein Weg zu einer grüneren Zukunft. Laut Botsman und Rogers sind kollaborativer Konsum und Nachhaltigkeit von Natur aus nicht von einander zu trennen (Vgl. Botsman und Rogers 2011: S.74). Umweltwirksame Verhaltensänderungen der Nutzer*innen entstehen nicht primär durch Schuldgefühle und mit dem Beigeschmack des persönlichen Verzichts, sondern aus eigennützigen Beweggründen. Dennoch führt diese Eigennützigkeit durch den für andere Nutzer*innen entstehenden Mehrwert zu mehr Nachhaltigkeit. Die Zeit in der Produkte (wie z.B. die oft erwähnte Bohrmaschine) nur ungenutzt herumliegen wird verringert und die Produkte werden effizienter genutzt. Food sharing ermöglicht es, überflüssige Lebensmittel mit anderen zu teilen und reduziert so die Massen an Abfall die wir täglich produzieren. Und die gemeinsame Nutzung eines Gartens hilft nicht nur dabei, nette Menschen kennenzulernen, sondern auch selbst gezüchtete Lebensmittel zu konsumieren.

Ich glaube, dass kollaborativer Konsum eine gute Möglichkeit ist, sich wieder klar zu machen, dass weniger oft tatsächlich mehr ist und ein Leben im Überfluss nicht glücklich macht. Besitz ist ja schön und gut, aber die Freude die entsteht, wenn man mit anderen teilt, ist noch viel besser. Und ein bisschen was für die Größe seines ökologischen Fußabdrucks zu tun kann nie schaden – oder?

Quellen:

(1) Vgl. Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

(2) van der Glind, Pieter: „Amsterdam – Europe’s First Shareable City?“ 27.11.2013 http://www.collaborativeconsumption.com/2013/11/27/amsterdam-europes-first-shareable-city/ aufgerufen am 15.05.2014

Botsman, Rachel und Roo Rogers: „The Rise of Collaborative Consumption“. In: What´s Mine is Yours: The Rise of Collaborative Consumption. London: Collins, 2011, S.9-22 und S.67-93

Rinne, April: „How Shareable is Your City?“ 25.10.2013 http://www.collaborativeconsumption.com/2013/10/25/how-shareable-is-your-city/ augerufen am 15.05.2014

Bild von http://www.collaborativeconsumption.com/wp-content/uploads/2013/10/ShareableCities.jpg