Coworking = Soziale Bewegung?

Vor allem FreiberuflerInnen stehen wahrscheinlich irgendwann vor der Frage: „Wie und wo arbeite ich am besten – zu Hause zwischen Wäschewaschen und Staubsaugen oder in einem eigenen Büro?“

Sind die FreiberuflerInnen nicht in der Lage im eigenen Heim einen Arbeitsplatz für sich einzurichten beziehungsweise möchten sie Arbeit und Privat auch räumlich ganz klar trennen, so bleibt nur der Umzug in ein Büro übrig. Doch mittlerweile sind diese nicht mehr gezwungen sich allein ein teures Büro anzumieten sowie zusätzliche Kosten für Strom, Telefon und Internet auf sich zu nehmen. Coworking Spaces bieten hier eine interessante Lösung.

Coworking Spaces bieten Raum für kreative Köpfe, die zwar nebeneinander aber nicht zwingend miteinander arbeiten wollen.

Also: jeder kann sich einen Arbeitsplatz in einem Coworking Space mieten und dort seiner alltäglichen Arbeit nachgehen, die er sonst zu Hause zwischen klingelndem Postboten, der das Päckchen für den Nachbarn loswerden will, oder piepender Waschmaschine gemacht hätte. So arbeiten (je nach Größe) mehrere FreiberuflerInnen an einem Ort zusammen, aber jeder kümmert sich primär um seine eigene Arbeit – Person1 schreibt an einem zukünftigen Bestseller-Roman, Person2 bastelt an einer neuen Internetpräsenz für einen Onlineshop, Person3 bearbeitet die Fotos des letzten Shootings … theoretisch ist in so einem Coworking Space also alles möglich.

Durch die räumliche Nähe besteht die durchaus wahrscheinliche Möglichkeit, dass die vielen FreiberuflerInnen sich gegenseitig inspirieren und unterstützen. Sie unterhalten sich in einer kleinen Kaffeepause und tauschen sich unter Umständen über ihre jeweiligen Projekte aus, helfen bei Kreativtiefs und entwickeln vielleicht sogar gemeinsame Projekte. So bekommt der Bestseller-Roman von Person1 ein hübsches Cover von Person3 und wird im Onlineshop von Person2 beworben … zum Beispiel.

Die Idee hinter Coworking ist klar. Aber ist Coworking eine soziale Bewegung?

Wikipedia sagt über soziale Bewegungen folgendes:

„Unter einer sozialen Bewegung, auch Bewegung, wird in den Sozialwissenschaften ein kollektiver Akteur verstanden, der unterschiedliche Organisationsformen umfasst und mit unterschiedlichen Mobilisierungs- und Handlungsstrategien versucht, gesellschaftlichen Wandel zu beschleunigen, zu verhindern oder umzukehren. Die einzelnen Mitglieder solcher Bewegungen werden häufig als Aktivisten bezeichnet.“ (1)

Anschließend werden als Beispiele für soziale Bewegungen unter anderem die Frauenbewegung, Tierrechtsbewegung, Anti-Atomkraft-Bewegung sowie Friedensbewegung genannt (vgl. Wikipedia „Soziale Bewegung“).

Daraus folgend würde ich der These, dass Coworking eine soziale Bewegung sei, die gesellschaftlichen Wandel verhindern/beschleunigen/umzukehren versucht, klar widersprechen.

  1. Ich erkenne nicht, welcher Wandel irgendwie dadurch beeinflusst werden soll.
  2. Der Sinn von Coworking bestand (zumindest anfangs) unter anderem darin, Arbeitsraum und Bürokosten zu teilen.
  3. Des Weiteren bietet Coworking ihren NutzerInnen einen eigenen Arbeitsraum und mögliches kollektives Zusammenarbeiten mit anderen Coworkern.

Zusammenfassend finde ich, dass Coworking einen neuen gesellschaftlichen Trend darstellt, der die Arbeitswelt (insb. von FreiberuflerInnen) stark verändert und primär nicht die Funktion hat die Gesellschaft zu verändern.

Quellen:

(1) Wikipedia „Soziale Bewegung“ http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Bewegung

 

Ist Coworking eine soziale Bewegung?

Manche Menschen arbeiten gerne und effektiv zu Hause. Andere brauchen einen abgetrennten Arbeitsplatz, um Freizeit und Arbeitszeit besser voneinander trennen zu können. Wenn man zu letzteren gehört, kann man sich natürlich ein Büro anmieten. Das wird allerdings oft zu einer ziemlich kostenintensiven Lösung. Außerdem bietet ein gemieteter Büroraum zwar ein geordnetes Umfeld – die Einsamkeit des selbstständigen Arbeitens kann er aber nicht bekämpfen.

Coworking verbindet die professionelle Atmosphäre eines Büros mit sozialen Komponenten. Hier haben Menschen nicht nur die üblichen nötigen Arbeitsmittel und einen WLAN-Zugang zur Verfügung, sondern können sich mit anderen Coworkern über ihre momentanen Projekte austauschen, mit ihnen einen Kaffee trinken und sich gegenseitig neue Denkanstöße geben. In einem Coworking Space zu sitzen ist ein bisschen wie in der Bibliothek zu sitzen, nur, dass man sich mit anderen unterhalten und beim Tippen gemütlich seinen Kaffee trinken darf.

Die Motivationen ein Coworking Space zu nutzen sind vielfältig. Für viele NutzerInnen übt die Flexibilität des Coworkings eine große Anziehungskraft aus. Die meisten Coworking Spaces sind 24/7 geöffnet und rentieren sich so deutlich besser als ein einzeln gemietetes Büro. Außerdem regt der geteilte Arbeitsplatz zum Austausch mit anderen an. NutzerInnen können sich gegenseitig Feedback zu aktuellen Projekten geben, voneinander lernen und im besten Fall (karrierefördernde) Kontakte knüpfen (1).
Coworking ist prinzipiell für jeden geeignet der Zugang zu bestimmten Arbeitsmitteln benötigt, nachhaltig arbeiten möchte, dabei offen für neues ist, Sinn für die Community hat und gerne mit anderen zusammen arbeitet (2).

Coworking revolutioniert die Arbeit von Selbstständigen und Freelancern, erweitert sie um einen Community-Aspekt und macht sie dadurch angenehmer und effektiver. Gerade die für die Kreativbranche oft so wichtigen Kontakte können so leichter geknüpft und im besten Fall gleich mit Arbeitsproben untermalt werden.

Ist Coworking allerdings eine soziale Bewegung? Meiner Meinung nach nicht. Laut Wikipedia (3) versucht eine soziale Bewegung „gesellschaftlichen Wandel zu beschleunigen, zu verhindern oder umzukehren“. Coworking scheint mir wie Multitasking auf das Leben selbst angewandt: Man arbeitet, während man entspannt seinen Tee trinkt und nebenbei soziale Kontakte knüpft. Hier kann ich den Hintergedanken des Weltverbesserns (noch) nicht erkennen. Geht es euch anders?

Quellen:

(1) Merkel, Oppen: Coworking Spaces: „Die (Re-) Organisation kreativer Arbeit.“ WZBrief Arbeit, 16.06.2013.

(2) Voll: Coworking – Internationaler Projekttransfer in der Netzwerkgesellschaft. erschienen auf http://www.opentransfer.de, 31.10.2013

(3) Wikipedia: Soziale Bewegung. http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Bewegung