Collaborative Consumption

 – teilen geht nicht allein

Nach Yochai Benkler basiert die vernetzte Informationswirtschaft primär auf der durch das Internet bereitgestellten Partizipationsmöglichkeit für Privatpersonen. Über das Internet verbunden können sie aktiv und von einander unabhängig an der Informationsproduktion teilnehmen. Dabei treten sie nun nicht mehr ausschließlich als Konsument sondern auch als Produzent auf. Benkler bezeichnet dies als Dezentralisierung (1).

Das kollaborative System beruht nicht auf finanzieller, sondern auf sozialpsychologischer und emotionaler Motivation (2). Nicht-monetäre Anreize begünstigen das Prinzip der Arbeitsteilung: Um eine Aufgabe zu lösen, wird jene in verschiedene Arbeitsschritte untergliedert. Diese Teilaufgaben werden dann von verschiedenen Individuen bearbeitet. Je mehr Personen also helfen, einen Beitrag zur Realisierung eines Projekts zu leisten, desto kleiner wird der Aufwand für die Einzelperson und umso größer ist die Effizienz.

Rachel Botsmann und Roo Rogers definieren den Kern der Collaborative Consumption über die direkte Interaktion von Personen. Durch das Kollektiv wird ein Zugang zu Produkten und Dienstleistung ermöglicht, welcher weitreichender und nachhaltiger Natur ist. Gleichzeitig werden Geld, Raum sowie Zeit gespart und neue Kontakte geknüpft. Signifikant ist die Bedeutung der aktiven Partizipation (3). Von sozialen Netzwerken getragen, den neuen Glauben an die Bedeutsamkeit der Gemeinschaft im Gepäck, das ökologische Bewusstsein unter den Arm geklemmt und mit den Kosten im Blick würden wir uns von stark zentralisierten und kontrollierten Konsumformen weg und hin zu kooperierenden und offenen Gemeinschaften des Teilens bewegen (4).

Ein Paradebeispiel hierfür sind Tauschringe. Am Beispiel der TimeBank wird der „network effect“ (5) besonders deutlich. Jede einzelne Person, die sich in der Gemeinschaft einbringt, erzeugt einen Nutzen für eine andere Person, auch wenn dies zunächst möglicherweise gar nicht ihre Intention war (6).

Der Rechtswissenschaftler, Dr. Edgar S. Cahn, gründete 1995 das Time Dollar Institute, welches heute die TimeBanks USA ist (7). Sie ist eine Plattform, welche die Möglichkeit bietet Tauschringe zu organisieren. Nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens finden sich Einzel-/Privatpersonen, Organisationen oder Vereine zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich gegenseitig helfen möchten. Sie gründen eine TimeBank. Die verschiedenen TimeBanks können dann auch untereinander kooperieren (8).

Ich mache das, was mir Spaß macht, was ich kann

und nicht das, was ich machen muss, was mir vorgeschrieben wird

Jeder kann etwas und jeder braucht auch mal Hilfe. Ich bräuchte derzeit zum Beispiel jemanden, der mir eine Gardinenstange in meiner Küche, welche dort seit zwei Jahren undekorativ an die Wand gelehnt im Weg steht, anbringt. Ich kann dafür Bewerbungen überarbeiten, Trainingspläne erstellen oder auch einfach nur bei einem Glas Wein Nägel lackieren und ein offenes Ohr haben. Mein Helfer bräuchte meine Hilfe aber gar nicht/noch nicht in Anspruch zu nehmen, denn die TimeBank-Stunde, das fiktive Zahlungsmittel, wird (online oder telefonisch) auf einem Zeitkonto gutgeschrieben.

Eine Stunde einander helfen = eine TimeBank-Stunde

In dem Video auf der Website wird die Tauschgemeinschaft „Long Beach“ vorgestellt und exemplarisch die Funktionsweise der TimeBanks erläutert.                               Interessant dabei sind die unzähligen Nebeneffekte, die solch ein Netzwerk aufweist. Zunächst bietet es die Möglichkeit, seine Nachbarn kennenzulernen, die Menschen in seiner näheren Umgebung. Besonders spannend ist auch die motivierende Wirkung: arbeitslose Personen werden durch die Partizipationsmöglichkeit angeregt rauszugehen, sich nicht zu verkriechen. Man macht Sachen nicht für Geld, sondern weil sie einem Spaß machen. Das Netzwerk motiviert dabei auch neue Dinge auszuprobieren. Es werden keine Arbeitsaufträge diktiert und erledigt, sondern man macht das, was man kann. Durch den Tauschringcharakter wird kein unmittelbarer Haken hinter eine erledigte Aufgabe gesetzt, denn auf Grund der Interaktion entstehen soziale Beziehungen. Es wird eine Gemeinschaft geschaffen, die individuelle Freiheit und kollektive Fürsorge gewährleistet (9).

So sehr der solidarische, nicht-monetäre Charakter aber auch propagiert wird, ist die Partizipation in der Gemeinschaft einer TimeBank nicht kostenlos. Bei einer Gruppengröße von 1-25 Mitgliedern sind zum Beispiel 25 Dollar im Jahr zu zahlen.                             

Kritisch zu betrachten ist des Weiteren die Tatsache, dass solche Tauschbörsen durchaus eine Art (Schwarz-) Markt darstellen. Qualitätsgarantien, Verbraucherschutz oder Haftung im Schadensfall werden ausgeklammert. Hat der Helfer zum Beispiel meine Gardinenstange nicht fachgerecht angebracht und sie fällt mir später auf den Kopf, hab ich schlechte Karten hinsichtlich Anspruch auf Schadensersatz. Außerdem hab ich die Dienstleistung inklusive Steuern nicht bezahlt, was der „momentanen“ Gesellschaft schadet.

Zusammenfassend stelle ich jedoch fest, dass solch ein Tauschsystem zunächst eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Konsumformen darstellt.

 


 

(1)    Vgl. Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, Hg. Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 1. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verlag: 175.

(2)    Vgl. ebd., 177.

(3)    Vgl. Botsman, Rachel und Rogers, Roo. 2011. The Rise of Collaborative Consumption. In: What’s Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption. London: Collins: xv/15 f.

(4)    Vgl. ebd., xx/20.

(5)    Ebd. 91.

(6)    Vgl. ebd., 91.

(7)    TimeBanks USA. What is Timebanking. 2014. http://timebanks.org/what-is-timebanking/. (Zugegriffen am 13.05.2014).

(8)    TimeBanks USA. About Timebanks USA. 2014. http://timebanks.org/about/. (Zugegriffen am 13.05.2014).

(9)    Vgl. Botsman, Roo 2011: 68.

Video: LongBeach TimeExchange. The Long Beach Time Exchange. 01.12.2013. http://www.youtube.com/watch?v=1yEfIgxViDc. (Zugegriffen am 13.05.2014).

 

Yochai Benkler und die Informationsgüter

Tilo Schmaltz fasst in seinem Text „Vernetzte Informationswirtschaft“ Yochai Benklers Ausführungen über den „Einfluss der Sozialen Medien auf die Produktion von Informationsgütern“ (Schmaltz: S. 174) zusammen und beschreibt unter anderem die verschiedenen Aspekte des Paradigmenwechsels gegenüber der industriellen Informationsproduktion (Schmaltz: S. 175) sowie die Eigenschaften der modernen Informationsgüter (Schmaltz: S.176) und stellt Forderungen für die post-industrielle Informationswirtschaft auf (Schmaltz: S.180).

In diesem Beitrag werde ich mich genauer auf die Eigenschaften der Informationsgüter beziehen und versuchen sie anhand von Beispielen differenziert zu beschreiben.

Benkler benennt drei Eigenschaften für die Informationsgüter der postmodernen Informationswirtschaft.

Zum einen sind, so Benkler, Informationen an sich nicht-rivalitär. Das bedeutet, dass Informationen (zumindest theoretisch) für Jede*n immer verfügbar sind, unabhängig davon, ob sie benötigt und genutzt werden oder nicht.
Bleibt man beispielsweise bei dem Schreiben von einem Blog, so ist dieser in der heutigen Gesellschaft immer verfügbar. Er ist auch dann verfügbar, wenn sich keine*r für den Blog von Person A über ihre Lieblingsbackrezepte interessiert und ihn keine*r liest. Des Weiteren löscht sich der Informationsgehalt des Blogs auch nicht, sobald ihn zum Beispiel zehn Personen gelesen haben, weil er dann „alle“ ist. Denn sobald eine Information einmal existiert, existiert sie für immer. Theoretisch sind der Blog selber sowie die Informationen des Blogs für immer verfügbar.

Informationen können unbegrenzt weitergetragen werden und verursachen selbst keine Vervielfältigungskosten. Lediglich das Trägermedium der Information, zum Beispiel eine Diskette, verursacht Unkosten; die Information selbst aber nicht. Damit liegen die Grenzkosten von Informationsgütern als bei null (Schmaltz: S.176).

Als dritte Eigenschaft von Informationsgütern nennt Benkler die Tatsache, dass Informationen immer auf anderen Informationen basieren. Die Information, die noch vor einigen Wochen täglich in den Nachrichten zu hören/lesen waren, dass möglicherweise Wrackteile der Boeing777 MH 370 im Indischen Ozean entdeckt wurden, macht nur Sinn, weil man vorher die Information erhalten hat, dass eben dieses Flugzeug seit einiger Zeit spurlos verschwunden und höchstwahrscheinlich über dem offenen Meer abgestürzt ist.

Quellen:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

Vernetzte- und Industrielle Informationswirtschaft

(Schmaltz nach Benkler)

Der „Vernetzten Informationswirtschaft“ nach Yochai Benkler steht die „Industrielle Informationswirtschaft“ gegenüber.

Sie beruht darauf, dass Informationen, „wie Wissen, Kultur und Informationen im engeren Sinne“ durch massenhaft produzierte Medien vielfach ausgesendet werden (Schmaltz 2011: Abs. 1) Technische Ausstattung und Zubehör werden in Hinblick auf die geringer aufzuwendenden finanziellen Mittel in großen Stückzahlen angefertigt. Die Kontrolle über die Information, die der oder die EndverbraucherIn empfängt, ist ein einflussreiches Instrument.
(Vgl. ebd: Abs. 1 u. 2)

Im Gegensatz dazu steht die vernetzte Informationswirtschaft. Die Voraussetzung dieser Informationswirtschaft „sind Computer und deren Vernetzung“, das Internet (Ebd.: Abs. 3). Dabei sind alle Personen, welche im Besitz eines Computers sind, Gestalter der gesellschaftlichen Vernetzung.
Aus der als „Zentralisierung“ dargestellten Industriellen Informationswirtschaft, ensteht eine „dezentralisierte“, vernetzte Informationswirtschaft. InformationsgeberInnen, die Informationen zentralen Ursprungs zuvor massenhaft verbreitet haben, werden durch die dezentrale Struktur der Vernetzung ihrer Autorität entzogen.
Die dezentralisierte Informationswirtschaft ist als nachhaltig zu bezeichnen, da das Potential der Informationswidergabe in vielfacher und andersartiger Form besonders groß ist.
(Vgl. ebd.: Abs. 3)

Die „Folge“ für uns sollte doch eine Ausdehnung unserer individuellen Freiheit bedeuten, oder? Was denkt ihr?

 

Quellen:

Tilo Schmaltz (2011): Vernetzte Informationswirtschaft- nach Yochai Benkler, in: DIE DIGITALE UNTERNEHMUNG,
http://www.digitale-unternehmung.de/2011/08/vernetzte-informationswirtschaft-%E2%80%93-nach-yochai-benkler/, zuletzt aufgerufen am 26.04.2014,
vgl. Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How Social Production Transforms Markets and Freedom, New Haven/ London: Yale University Press, S. 29-127

Paradigmenwechsel: Danke, liebes Inter-nett!

Yochai Benkler prognostiziert eine fundamentale Veränderung der Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme. Das Internet pflastert jenen Pfad, der zu offenen und demokratischen Strukturen führt. Dessen Grundstein ist durch den technologischen Fortschritt gelegt.

Das Internet als frei verfügbares Kommunikationsmedium steht den hierarchischen Strukturen geschlossener Produktionsverfahren gegenüber. Jedes Individuum kann über ein Endgerät seiner Wahl (Smartphone, Computer etc.) zu jederzeit Information produzieren. So entwickelt sich eine dezentrale Informationsproduktion, die sich dadurch kennzeichnet, dass viele Informationen über unabhängige Privatrechner, welche über das Internet verbunden sind, von Individuen produziert werden. Dabei entstehen zunächst keine monetären Kosten. Es heißt, dass „sozialpsychologische und emotionale Motivationsmuster“ jenem Produktionsverfahren zu Grunde liegen.

Benkler stellt außerdem wirtschaftlich orientiert Aufwand und Ertrag gegenüber. Der Aufwand beschränkt sich bei der vernetzten Informationsgesellschaft auf die aufzubringende Zeit und die intellektuelle Leistung des unabhängig informationsproduzierenden Individuums. Somit ist der soziale Nutzen, der Ertrag für die Gesellschaft um ein Vielfaches höher, als bei industrieller Produktion. Die fehlende Kalkulierbarkeit sieht er dabei als Potential für die soziale Informationsproduktion und fordert eine neue Rechtsgrundlage für die Zukunft.

 

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

Vernetzte Informationswirtschaft

Freies Wissen für alle

Das Internet bietet unzählige Möglichkeiten der Kollaboration. In „Vernetzte Informationswirtschaft“ beschreibt Tilo Schmaltz die Veränderung der Informationsproduktion durch soziale Netzwerke nach Yochai Benkler (Schmaltz 2012: 174). Im 21. Jahrhundert unterliegen Informationen nicht länger wenigen mächtigen Produzenten, die Zugang und Verbreitung einschränken, sondern können über das Internet jederzeit kostenlos abgerufen werden (ebd.).

Die vernetzte Informationswirtschaft steht der industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts gegenüber. Informationsproduktion findet dezentralisiert in Form von Peer-Produktion statt, d.h. der gemeinsamen Arbeit von voneinander unabhängigen, gleichberechtigten Individuen an einem Projekt (Schmaltz 2012: 177). Im Grunde kann sich hier jede und jeder beteiligen, sobald er oder sie über einen Computer mit Internetzugang verfügt. Ein Vorteil der Peer-Produktion ist z.B. die Möglichkeit der Arbeitsteilung: je mehr Menschen an einem Projekt zusammenarbeiten, desto weniger Aufwand hat der bzw. die einzelne und desto detaillierter können Informationen erarbeitet werden. Als berühmtes Beispiel der Peer-Produktion führt Schmaltz die Wikipedia an, auf die wahrscheinlich jede*r schon einmal zugegriffen hat, um sich grundlegende Informationen zu einem bestimmten Thema anzueignen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Produktionsgütern können einmal hergestellte Informationen nicht aufgebraucht werden. Nur durch „künstliche Verknappung“ (Schmaltz 2012: 176) durch Gesetze oder Zensur kann Menschen der Zugang zu ihnen verwehrt werden. Die soziale Informationsproduktion ist nicht an monetären Gewinn gebunden. Der Wertzuwachs der sozialen Informationsproduktion ist also kein wirtschaftlicher, sondern ein gesellschaftlicher (Schmaltz 2012: 179). Menschen stehen miteinander in Kontakt und helfen sich gegenseitig. Sie erarbeiten selber Inhalte und überarbeiten bereits erstellte Beiträge von anderen. Diesen sozialen Diskurs halte ich persönlich für sehr erstrebenswert.

 

Quellen:

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

 

Vernetzte Informationswirtschaft und Peer-Verfahren

Was ist Peer-Produktion bei Yochai Benkler?

Welche Beispiele fallen Dir jenseits von Wikipedia ein?

Tilo Schmaltz skizziert in seinem Text Vernetzte Informationswirtschaft Yochai Benklers gleichnamige Theorie zum „[…] Einfluss der Sozialen Medien auf die Produktion von Informationsgütern“ (vgl. Schmaltz 2010: 174). Gemeint sind hier vornehmlich digitale Informationsgüter des Internets, die nach Benkler – von ihrer Erzeugung her – in industrielle Informationsproduktion und soziale Informationsproduktion unterteilt werden können. Während erstere vor allem die finanziellen Aspekte – eben Produktivität und daraus entstehende möglichst hohe Gewinnspannen – fokussieren, beruft sich zweitere auf  sozialpsychologische und emotionale Motivationsmuster (vgl. ebd. 174ff.).

 „Die für soziale Informationsproduktion typische Organisationsform […]“ ist die „[…] Peer-Produktion […]“, eine modulare Gruppenstruktur, in der sich einzelne voneinander unabhängige Personen als Peers zur gemeinschaftlichen Produktion zusammenfinden“ (Schmaltz 2010: S. 177).[1]

In dieser Gruppenstruktur werden Aufgaben – das Erstellen von Informationen, wie beispielsweise ein Text – in einzelne Module zergliedert, um diese dann dezentralisiert von den jeweiligen Peers bearbeiten und erstellen zu lassen. Als weltbekanntes Exempel dient an dieser Stelle Wikipedia, bei der eine Vielzahl von Einzelpersonen autark, an primär Texten, arbeiten und modulieren kann. Neben dieser ‚freien Enzyklopädie’ gibt es eine Reihe anderer  Internetunternehmen, -projekte, etc., die bei Weitem nicht so namhaft sind, doch denselben Peer-Verfahren unterliegen. Dazu gehören zum Beispiel Software-Projekte wie Linux[2] (vgl. Siefkes 2010), ein (meist) kostenloses downloadbares Computerbetriebssystem, mit freier Software-Lizenz, die es gestattet

„[…] – ganz im Gegensatz zu den bekannten proprietären Lizenzmodellen – die Software nach Belieben zu vervielfältigen und weiterzugeben, weiterzuentwickeln und sogar zu verkaufen, vorausgesetzt, die Empfänger der Software erhalten wieder die gleichen Rechte und der vollständige Quelltext, der zur Erstellung der Software erforderlich ist, ist verfügbar“ (KNOPPER.NET 2014).

Oder auch  Firefox (vgl. Siefkes 2010), ein kostenloser Internetbrowser mit vielen Zusatztools, der Offenheit, Innovation und Chancen im Web fördern möchte. Dazu arbeitet, wie Mozilla selbst angibt, eine weltweite Gemeinschaft von Technologen, Denkern und Entwicklern zusammen, um vornehmlich das Internet für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich zu erhalten:

„Wir glauben, dass dieser Akt menschlicher Zusammenarbeit auf einer offenen Plattform unabdingbar für individuelles Wachstum und unsere gemeinsame Zukunft ist“ (vgl. Mozilla.org 2014).

Ein weiteres Beispiel stellt das 2004 ins Leben gerufene OpenStreetMap-Projekt dar, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine frei zugängliche ‚Weltkarte’ im Internet zu kreieren (vgl. FOSSGIS e.V. 2014a). Auf der Homepage des sich immer weiter entwickelnden Projektes wird ohne Abweichungen klar erklärt:

„Weil wir die Daten selbst erheben und nicht aus existierenden Karten abmalen, haben wir selbst auch alle Rechte daran. Die OpenStreetMap-Daten darf jeder lizenzkostenfrei einsetzen und beliebig weiterverarbeiten“ (FOSSGIS e.V. 2014b).

Und weiter heißt es:

 „OpenStreetMap beendet die Abhängigkeit von den Anbietern proprietärer Daten und setzt dem reinen Konsumieren kreative Aktivität entgegen. Durch die Zusammenarbeit der Projektmitglieder entsteht eine freie Geodatenbank, die weltweit allen Menschen zur Verfügung steht“ (ebd.).

Darüber hinaus existieren Programme wie das PEER-Projekt an Fahrschulen, welches mit Unterstützung der Europäischen Kommission das Ziel verfolgt, insbesondere zukünftige Fahranfänger für mögliche Risiken durch Genussmittel im Straßenverkehr sensibilisieren will. Gleichaltrige in Fahrschulen

„[…] informieren die Fahrschüler/innen in zusätzlichen Einheiten über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr und diskutieren zusammen über mögliche Folgen. In den so genannten PEER-Einheiten werden gemeinsam mit den Fahrschülern Strategien und Regeln entwickelt, wie alkohol- und drogenbedingte Rauschfahrten vermieden werden können“ (MISTEL/SPI Forschung gGmbH 2014).

Diese Beispiele zeigen (zumindest ansatzweise) eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Peer-Verfahren funktionieren können, wie sie angewendet werden und wofür sie stehen. Weiterhin unterstreichen sie nicht nur Benklers Feststellung, dass die Verbreitung kollektiver Produktionsformen bereits von großer Bedeutung ist (vgl. Schmaltz 2010: 174), sondern  auch, dass die Vernetzte Informationswirtschaft – an sich – zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gleichsam kann besonders durch die zitierten Aussagen der einzelnen Unternehmen/Projekte das gegenüberstellende ‚Rechenbeispiel’ zu Wikipedia und der kostenpflichtigen Encyclopaedia Britannica weiter verdeutlicht werden. Dies ist wiederum erneut eine Bestätigung zu Benklers Ansicht, die Effizienz sozialer Informationsproduktion steigere den gesellschaftlichen Wertezuwachs und führe dementsprechend auch zur weiteren Verbreitung der jeweiligen Inhalte. Die zukünftige Forschung wird zeigen, inwieweit die Medien als die Veränderung der Gesellschaft gesehen werden können und inwieweit und vor allem wohin – in welche Richtung, mit welchem Ausmaß – sich die so genannten Peer-Projekte hin wandeln oder weiterentwickeln. (vgl. ebd.: 180f).

[1] Schmaltz definiert Peer als Individuen, mit äquivalenten Beziehungen zueinander (vgl. ebd.; Fußnote 10)

[2] Korrekterweise GNU/Linux (vgl. KNOPPER.NET 2014).

 

Bibliografie

FOSSGIS e.V. 2014a. ©OpenStreetMap Mitwirkende. OpenStreetMap – Deutschland. http://www.openstreetmap.org/about (Zugegriffen: 28.04.2014).

FOSSGIS e.V. 2014b. FAQs: Fragen und Antworten. OpenStreetMap – Deutschland. http://www.openstreetmap.de/faq.html#was_ist_osm (Zugegriffen: 28.04.2014).

KNOPPER.NET. Dipl.-Ing. Klaus Knopper. 2014. Linux. http://www.knopper.net/linux/ (Zugegriffen: 27.04.2014)

MISTEL/SPI Forschung gGmbH. An-Institut der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). 2014. Konzept. (PPF). PEER-Projekt an Fahrschulen – Information und Aufklärung für Fahrschüler/innen und junge Fahranfänger/innen über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. http://www.peer-projekt.de/kid-55-titel-Konzept-PPF.html (Zugegriffen 27.04.2014).

Mozilla.org. 2014. Mozilla. Wir bauen ein besseres Internet. http://www.mozilla.org/de/mission/ (Zugegriffen 27. 04.2014).

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, S. 174-181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verlag.

Siefkes, Christian. 2010. Was ist Peer-Produktion? Wie man nützliche Dinge herstellt – freiwillig und ohne Boss. Aus: Oya – anders denken.anders leben (Oya Medien eG). Oya Ausgabe 03/2010. http://www.oya-online.de/article/read/123.html (Zugegriffen: 27.04.2014).

 

 

 

 

Tilo Schmaltz – Der Paradigmenwechsel nach Benkler

Schmaltz beschreibt in seinem Text (nach Benkler) ganz grundsätzlich die Entwicklung von der industriellen Informationsgesellschaft hin zur sozialen Informationsgesellschaft, und deren Vorteile, wie z.B. geringe Grenzkosten (da hierbei keine Produktion weiterer Einheiten z.B. eines Informationsmediums besteht), sowie höherer Effizienz durch „gesellschaftlichen Wertezuwachs[es]“ (S.180). Als Voraussetzung für diese Entwicklung nennet er einen Paradigmenwechsel. Dieser ist zum einen von technologischer Art. Das heißt die Möglichkeit des Einzelnen vom privatisierten Computer aus über den Zugang zum Internet jederzeit Informationen individuell und zeitlich unabhängig abzurufen. Darauf aufbauend nennt er den sozialen Paradigmenwechsel insofern, dass die neuen technologischen Gegebenheiten ein kooperatives Verhalten „zu Gunsten der Allgemeinheit“ (S. 175) entwickeln. Eine Motivation also sich aktiv kollaborativ zu vernetzen. Eine Folge dieser Vernetzung ist eine Dezentralisierung der Produktionsmittel, also eine allgemeine und individuelle Verfügbarkeit dieser.

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.