Soziale Informationsproduktion oder der Glaube an die Fische

 

In meinem ersten Blogeintrag, habe ich mich mit Yochai Benklers Theorien zur vernetzen Informationswirtschaft beschäftigt. Zentral waren damals die von Tilo Schmaltz dargestellten Kosten- und Effizienzrechnungen zur digitalen Informationsproduktion.

Wenig greifbar, denke ich mir jetzt im Nachhinein.

Aber vielleicht kann ich es nun anders wiedergeben oder sogar besser, mit Hilfe von Swimmy und Rachel Botsman, die deutlich pragmatischer sind und in mir durchgehend beim Lesen Bilder zeichnen. Denn was mache ich als Peer-Produzentin, wenn ich beispielsweise ein Sternenbild einordne oder auf Wheelmap.org eintrage, dass das Café Charlotte zwar ebenerdig ist, jedoch der Gang zur Toilette viel zu schmal für jemanden mit Handicap? Ich erbringe eine einzelne kleine Leistung, wie es Lobo und Passing sagen würden (Lobo/Passing 2013:141) oder ich schaffe einen gemeinnützigen Wert, frei nach Botsman zitiert (vgl. Botsman/Rogers 2010:91). Weg von den Zahlen und hin zum Leben, denn das zeigt, dass nicht alles in einer Tragödie enden muss – vorallem nicht unsere digitale Vernetzung.

Die kollaborative Wissensproduktions ist effizient, dies beweist nicht nur Schmaltz, sondern auch Botsman und Rogers, die den sozialen Aspekt der Gemeinschaft nicht aus den Augen verlieren und immer wieder zeigen wie gut wir doch Tauschen, Teilen und Schenken können.

Den Glauben an die Gemeinschaft dürfen wir nicht verlieren, besonders nicht wenn die Wheelmap Benklers Kostenrechnung bestanden hat. Letztendlich sind wir Swimmy, solange wir zusammen kollaborieren und uns das Internet vernetzt sind wir stark und allwissend und überzeugend und effizient und nachhaltig und offen und erfolgreich und, und, und…

 

 

 

Quellen:

Botsman, Rachel und Roo Rogers. 2011a. Introduction: What’s Mine Is Yours. In: What’s Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption, ix-xxii. London: Collins

Passing, Kathrin und Lobo, Sascha (2012): Internet – Segen oder Fluch. Kapitel 9: Generation Swimmy. Kollektive und Kollaborationen. In: Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn.

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

Bild:

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SUPERMARKT – Co-Working im Brunnen-Kiez

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Wer durch Wedding schlendert und sich an längst vergangene Zeiten entsinnen kann, dem entgeht der Wandel nur schwer. Zwischen maroden grauen Siedlungen und verloren aussehenden Altbauten, zwischen dem alt eingesessenen Obi Markt und dem nächsten Kaisers tut sich in den letzten Monaten so einiges. Wie ein Gebilde aus dem letzten SuperMarioSpiel sehen die so fremden Co-Working-Studios aus.

 

Co-Working-Space und Supermarkt, wo steckt die Verbindung? Sie wurde am im Mai 2012 geschaffen. Unter dem Schirm des Förderprojektes „Zukunftsort Brunnenstr. 64“ eröffnete die neue Heimat vieler KiezkreativerInnen und FreelancerInnen (vgl. SPD Berlin-Mitte 2013). Ela Kagel, Projektgründerin neben Zsolt Szentirmai und David Farine, wurde auf die schon lange leerstehenden Läden aufmerksam und ließ diese in nicht nur sanieren, sondern funktionierte sie in vier Arbeitszonen um. Die erste Zone, das Herzblut des Komplexes, bildet ist der SUPERMARKT in dem die hauseigene Bar ihren sitzt hat und zu „Gesellschaft und gutem Kaffee“ einlädt. Die drei weiteren gliedern sich dann in DIE Co-Working-Zone, die Konferenz-Zone und die Workshop-Zone ein (SPD Berlin-Mitte: November 2013). Sie alle bieten helle Räumlichkeiten mit hohen Decken und großen Fensterfronten an (Supermarkt Berlin 2013). In den Kellerräumen befinden sich die Büros/Werkstätten der rund 15 MitgliederInnen der eingetragenen GbR. Vom Tonstudio bis hin zur Möbel-Manufaktur beherbergt das Unternehmen die unterschiedlichsten SchöpferInnen.
Als Mitglied kann man seinen Umfang am Nutzungsrecht selbst bestimmen. Mit dem Flextarif z.B. ist die Nutzung der Räumlichkeiten 9h à 6 Tage möglich und dies für knapp 180€.

Wer jedoch unbegrenzt ans kreative Werk möchte und dabei Stauraum in Anspruch nehmen will, ist je nach Räumlichkeit (ob Galerie oder Studio) mit 240-290€ dabei (vgl. SUPERMARKT Berlin- Co-Working).
Die digitale Kultur lässt sich aber auch täglich kostenlos einatmen, jeder der möchte ist an der Bar herzlich Willkommen und kann an den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen teilnehmen, wie auch ich morgen beim Freitagsfrühstück, an dem jede Woche ein neues Kiezprojekt vorgestellt wird.

 

 

Quellen:

SUPERMARKT Berlin 2013:

http://www.supermarkt-berlin.net/de/2012/05/ zuletzt aufgerufen am 12.6.14

http://www.supermarkt-berlin.net/de/coworking-in-den-supermarkt-studios/ zuletzt aufgerufen am 12.6.14

http://www.supermarkt-berlin.net/de/events/ zuletzt aufgerufen am 12.6.14

Fischer, Susanne. 2013.„Zukunftsort Brunnenstraße 64: Der Supermarkt als Infrastruktur für die Entwicklung der Kreativwirtschaft im Brunnenviertel“ in: SPD Berlin Mitte: http://spd-berlin-mitte.de/2013/11/01/zukunftsort-brunnenstrase-64-der-supermarkt-als-infrastruktur-fur-die-entwicklung-der-kreativwirtschaft-im-brunnenviertel/ zuletzt aufgerufen am 12.6.14

Foto: http://www.supermarkt-berlin.net/galerie/?album=all&gallery=1

 

 

 

Zeit ist Geld- oder doch nicht?

Abfluss verstopft – MIST! Ein Handwerker wird da schnell mal ein Vermögen in Anspruch nehmen. Wieso aber nicht meine Zeit?

Edgar Cahn, der Gründer der TimeBank, dachte sich das bereits in den 80ern und entwickelte bis 1995 das TimeSharing-Konzept, das sich in den USA bereits etabliert hat und mit Großbritannien den Sprung nach Europa wagt. Wie kann ich helfen und wie wird mir geholfen? Jede aufgebrachte Stunde wird als Zeit-Dollar oder Zeit-Credit auf dem persönlichem TimeBank-Konto verbucht. Dabei ist es egal ob Dr. Prof. von und zu drei Stunden Gartenarbeit verrichtet hat oder Lisa von Nebenan – „we value every hour equally“ (Edgar Cahn: 2010). Die angesparten Credits kann ich dann nach belieben für mich, meine Familie und Freunde aufwenden oder sie einer Hilfsorganisation spenden, die diese Stunden für ihre Projekte investieren kann.

Die selbstproduzierten Güter, unsere Zeit, können wir so „austauschen und konsumieren“ (Schmaltz: 174). Wie Yochai Benkler treffend beschreibt, geht es dem Projekt vordergründig um den „gesellschaftlichen Wertezuwachs“ und den „größtmöglichen Nutzen“(Schmaltz: 175). Durch die online Community wird der Zeitaustausch organisierte- fernab von monetären Werten, Produktions- und Grenzkosten die entfallen.

Um nun an meinen Handwerker zu kommen, erstelle ich ein Profil das zeigt welche Leistung ich anbiete und welche ich in Anspruch nehmen möchte. Dabei muss Person A, mit der ich eine Stunde YOGA mache nicht zwangsläufig mein Handwerker B sein. Ich schaue mich also online um wer handwerklich begabt ist und tausche meine Stunde gegen Sven aus, der den Abfluss repariert – kostenlos, denn nicht immer ist Zeit = Geld!

 

 

Quellen:

Edgar Cahan in This Issue: Edgar Cahan- Founder of TimeBanks (2010), zuletzt aufgerufen am 18.5.2014

Schmaltz, Tilo: Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle. Michelis,Daniel und Schildhauer, Thomas (Hrsg.). S. 174. 2. Auflage.(2012) Baden-Baden.

TimeBanks USA (2014): http://www.timebanks.org, zuletzt aufgerufen am 18.5.2014

Soziale Informationsproduktion – der effizienteste Weg zur Vernetzung?

Kaum einer hat nicht für eine Hausaufgabe im WorldWideWeb recherchiert und dabei das ein oder andere Mal auf vollständig Referate oder Lösungen zurückgegriffen. Dabei stellt sich keinem die Frage des monetären Werts, denn kostenloses Gedankengut gibt es in Massen.

In Thilo Schmaltzs „Vernetzte Informationswirtschaft“ beschreibt der Autor den steigenden Einfluss der Sozialen Medien „auf die Produktion von Informationsgütern“ (Schmaltz 2012:174) nach Yochai Benkler. Benkler, ein renommierter Rechtswissenschaftler, setzt sich vordergründig mit den kostenlosen Informationen auseinander, die durch unabhängige Privatrechner dezentral  produziert und vervielfältigt werden (vgl. Schmaltz 2012:175). Dieser Wandel des 21. Jahrhundert sei aus vielen Gründen besonders effizient bei der sozialen Informationsproduktion. Zum einem sind die Informationen nicht-rivalitär, stehen somit der breiten Masse unbegrenzt zur Verfügung und werden nicht verbraucht. Nur durch „künstliche Verknappung“ (Schmaltz 2012:176) (z.B. durch Rechte und Gesetze) wird der Inhalt zu einem marktwirtschaftlich relevantem Gut. Ein weiterer Aspekt, den Schmaltz nach Benkler beschreibt, sind die nicht vorhandenen Grenzkosten, die bei Verbrauchsgütern mit begrenzter Nutzungszeit entstehen. Letztendlich stützt sich dieses System vor allem auf den Output der durch einzelne/n Nutzern/-innen ohne „monetären Motivationsmuster“ (Schmaltz 2012:180) erbracht wird. Hierdurch entfallen Lizenzen oder Löhne.

Wir können also nach Benkler zusammenfassen, dass der gesellschaftliche Wertezuwachs bei Sozialer Informationsproduktionen, wie es auch Wikipedia eins ist, ein deutlich größerer (=effizienterer) ist, als der der Industriellen, die durch ihre Produktions- und Grenzkosten monetär vergütet werden müssen und deshalb einen deutlich kleinen Beitrag leisten.

 

Quellen:

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.