Perspektivwechsel

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Entnommen von :https://linksunten.indymedia.org/de/system/files/images/1838583224.jpg (letzter Zugriff am 14.07.2014)

Vor genau 83 Tagen, also 1992 Stunden, habe ich diesen Blog mit meinem ersten eigenen Beitrag zum Thema Freiwilligenagenturen versehen. Vielleicht erinnert ihr euch: Es ging darum meine guten Vorsätze zu retten und mich sozial zu engagieren. An Freiwilligenagenturen gefiel mir damals, dass sie Helfer_innen schnell und direkt an Menschen vermitteln, die Hilfe benötigen. Von dieser Möglichkeit bin ich auch jetzt noch begeistert, auch wenn ich sie bisher noch immer nicht in Anspruch genommen habe. Die Beschäftigung mit Kollaboration im Internet in den vergangenen Wochen hat mich jedoch mit noch weitergehenden Impulsen und Perspektiven versorgt.
Begonnen hatte alles mit der Information, dass sich hinter dem Fachbegriff der Collaborative Consumption ein gesellschaftliches Phänomen verbirgt, das vor kaum einem Bereich unseres Lebens Halt macht. Die auf dem Blog vorgestellten Praxisbeispiele haben verdeutlicht: Wir fahren mit Airbnb in den Urlaub und/ oder schlafen bei fremden Menschen auf der Couch. Unsere freie Zeit verbringen wir mit dem Erstellen von Wikipedia Einträgen oder verdienen Geld dazu als Klickworker. Projekte, die unser Herz berühren finanzieren wir durch Crowdfunding, alles bequem von zu Hause aus, auf einem mit Open Source Betriebssystem versehenen Computer. Verschlägt es uns nach draußen, so nutzen wir geteilte oder geliehene Autos und Fahrräder und zum Baumarkt geht es nur noch selten, denn Bohrmaschinen werden in der Nachbarschaft lokalisiert und entliehen.

In einem weiteren Schritt, ging es dann von der Praxis zur Theorie: Ob Yochai Benkler die Chancen der vernetzten Informationswirtschaft lobt, Rachel Botsman die Entwicklung der Collaborative Consumption skizziert, oder Jeremy Rifkin durch kollektives Handeln die Energieversorgung revolutionieren will: Kollaboratives Konsumieren beschäftigt längst die Wissenschaftler. Zudem wissen spätestens nach der Geschichte von Swimmy dem Fisch, wie kraftvoll unser internetbasierte Schwarm ist und welches Potential er entfesselt

Aber auch kritische Stimmen fanden in unserem Seminar Gehör. Wie sollen persönliche Rechte im Internet umgesetzt und geschützt werden? Wie finanziert man eigentlich all die kostenlosen Angebote im WWW? Wer finanziert den Lebensunterhalt derer, die ihre Arbeitsleistung kostenlos zur Verfügung stellen? Gerade die letzte Frage bringt mich gedanklich zurück zu den Freiwilligenagenturen. Als (potentielle) Helferin habe ich bisher lediglich darüber nachgedacht, wie ich die passende Initiative finde. Nun richtet sich mein Blick jedoch auf den Mittler, die Agentur selbst. Wie oft haben wir im Kurs darüber diskutiert, wie die Programmierer von Open Source Projekten ihre Miete zahlen sollen. Vergessen tun wir dabei vielleicht häufig, wie viele sozial engagierte Menschen in gemeinnützigen Projekten mit dieser Frage tagtäglich konfrontiert sind (und schon immer waren).

Die Hoffnung, die sich bei mir persönlich aus den neuen Kenntnissen über kollaboratives Konsumieren ergibt, ist dass der gesellschaftliche Wandel auch für gemeinnützige Projekte einen großen Vorteil bieten wird. Dass der Fokus sich weiter vom Eigennutz, auf das Wohl Aller verschiebt. Das Internet schafft nicht nur neue Formen der Vermittlung, es ermöglicht auch Finanzierungsformen wie Crowdfundig und kann die Arbeit eines Einzelnen auf die Schulter vieler (kleiner) Helfer verteilen. Sich sozial zu engagieren wird so nicht nur immer leichter und sogar von zu Hause möglich, es kann auch größere gesellschaftliche Gruppen erreichen und mobilisieren. Bei aller Kritik, neuen Herausforderungen und der geschaffenen Komplexität kollaborativer Strukturen möchte ich gerne daran glauben, dass internetbasiertes, kollektives Handeln soziale Gerechtigkeit unterstützt und fördert, weil jeder von uns an der richtigen Stelle ein bisschen mithilft.

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Wie finanziert man eigentlich „kostenlos“?

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Verfügbar auf: http://www.mindstylistin.de/so-nutzen-sie-das-prinzip-kostenlos-fuer-ihr-business/ (letzter Zugriff: 26.06.2014)

 

Kostenlose Programme und Inhalte im Internet finden überall großen Anklang. Gerade wenn das Geld knapp, der Anschaffungspreis exorbitant teuer, oder der Bedarf nur sehr kurzfristig ist, drückt man sich sehr gerne vor großen Ausgaben und nimmt jedes kostenfreie Angebot dankend in Anspruch. Das Internet macht es möglich, weil die Grenzkosten hier bei vielen Angeboten gegen O gehen (1). Ein selten bedachter Fakt ist jedoch, dass hinter all diesen Inhalten arbeitende Menschen stehen. Von diesen können  es sich  wohl nur die allerwenigsten leisten, ihre Arbeitszeiten nicht in irgendeiner Form vergüten zu lassen.  Das Dilemma: Wie bringt man kostenlose Angebote auf der einen und eine angemessene Vergütung für Kreierende auf der anderen Seite optimal zusammen?

 

Der Autor und Chefredakteur Chris Anderson,  ein großer Unterstützer der Bereitstellung kostenloser Inhalte, beschäftigt sich in seinem Text mit 4 möglichen Kanälen der Refinanzierung: Direkte Quersubventionierung, Drei Parteien Markt, Freemium und nicht-monetäre Märkte.

Bei der Direkten Quersubventionierung, sollen potentielle Käufer_innen durch kostenlose Proben, oder Geschenke dazu bewogen werden, kostenpflichtige desselben Anbieters in Anspruch zu nehmen (2). Diese Methode bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre auch als Köder-Haken Modell (3). Ein schönes Beispiel für diese Refinanzierungsart sind die kleinen Proben, die einem in der Parfümerie des Vertrauens gerne mitgegeben werden. Kreierende werden in diesem Modell weiterhin vom Arbeitgeber_in bezahlt, allerdings ist auch nur ein sehr kleiner Teil des Produktes völlig kostenlos verfügbar und dieses auch nur zum Zweck der Kundenbindung.

Beim Drei-Parteien- Markt wird die Finanzierung eines Angebotes durch eine dritte Partei sichergestellt, die im Gegenzug im Rahmen des Angebotes beworben wird (2).  Ein gutes Beispiel hierfür sind die vielen netten Werbeanzeigen, die uns im Wochenblatt unseres Vertrauens, oder bei der google Suche begegnen. Auch in diesem Modell werden kreierende „klassisch“ vergütet, lediglich der Geldgeber wechselt. Allerdings ist dieses Modell für die Gesellschaft vorteilhafter, weil umfangreichere Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt werden können.

Das Freemium Modell, ein Ableger der direkten Quersubventionierung lockt Interessenten mit einem kostenfreien Angebot und erhebt Kosten erst für ein Upgrade zur Premium-Version mit zusätzlichen und weiterführenden Nutzungsrechten (2). Gute und viel genutzte Beispiele für dieses Modell ist neben Skype auch Dropbox. Kreierende werden hier weiterhin von ihrem Arbeitgeber vergütet, der kostenlos bereitgestellte Teil ihrer Arbeit, soll nämlich lediglich zur Kundenaquise und – bindung dienen.

Das von Anderson benannte, vierte Modell der Refinanzierung sind nicht-monetäre Märkte. In nicht-monetären Märkten, wird die Arbeitsleistung der Kreierenden finanziell nicht vergütet. Teilnehmende beteiligen sich aus anderen Motiven, wie „(…) beispielsweise Aufmerksamkeit, Genugtuung, oder Spaß (..)“. Auch purer Eigennutz ist laut Anderson ein häufiges Motiv (2) . Ein häufig genanntes Beispiel für ein Projekt im nicht-monetären Markt ist Wikipedia. Hier schließen sich Einzelpersonen zusammen, um Inhalte festzuhalten, zu sammeln, zu produzieren und das völlig ohne finanziellen Anreiz. Diese Form der Selbstlosigkeit ist jedoch nur möglich, wenn der normale Broterwerb gesichert ist. Kreierende, die für die Bewältigung eines Projektes mehrere Wochen, bis hin zu Monaten brauchen, stehen hier vor der Frage, wie ihre monatlichen Kosten getragen werden sollen.

Auch der Harvard Professor und Autor Yochai Benkler ist ein  großer Unterstützer des Free-Modells, welches seiner Meinung nach die Zukunft der Produktion von Inhalten im World Wide Web darstellen wird. Die Motivation für die Beteiligung an Projekten sieht er, ähnlich wie Anderson in emotional-psychologischen Motiven begründet. Bezüglich der  Entlohnung der Kreativen setzt er auf Crowdfunding(4). Die Idee ist simpel aber effektiv: Menschen mit einer guten Idee  stellen ihre Idee auf einem entsprechenden Portal  der Online- Community vor und werden dann – bestenfalls – von vielen Einzelpersonen mit Spenden unterstützt . Durch diesen Mechanismus gehen die Kreierenden nicht leer aus und zudem werden auch nur jene Ideen umgesetzt beziehungsweise unterstützt, die bei einer größeren Gruppe  großen Anklang finden (5). Crowdfunding  Dennoch sollte man bedenken, dass durch Crowdfunding bisher nur eine (an der Gesamtmenge gemessen) vergleichsweise kleine Anzahl von Projekten finanziert wurde. Wenn unsere Zukunft von einer neuen Ära des freien Konsumierens geprägt werden soll, gilt es hier mehr Menschen und Gesellschaftsschichten zu mobilisieren.

Nehmen wir Andersons´ und Benklers´ Modelle zusammen, so eröffnen sich fünf Formen der Refinanzierung freier Angebote. Allerdings ist hier zu unterscheiden zwischen freien-Angeboten, die lediglich auf die Gewinnung von neuen Kunden und damit verbundene Gewinne abzielen und solchen, die mit ihren völlig kostenlosen Angeboten einen gesellschaftlichen Mehrwert ohne monetäre Anreize darstellen. Bei Ersteren gestaltet sich die Finanzierung (teilweise) freier Angebote, noch sehr einfach, da die zu erwartenden Einnahmen die Ausgaben schnell wieder ausgleichen. Projekte, bei denen mit wenig, oder sogar keinen Gewinnen zu rechnen ist, fallen jedoch schnell aus dem Raster. Bei nicht-monetär motivierten Projekten bleiben dafür jedoch nur Optionen wie Crowdfunding, oder die Teilnahme einer großen Menge an Einzelpersonen (die alle ein paar Stunden neben ihrem normalen Job investieren) zur Finanzierung übrig. Besonders Yochai Benkler weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass gerade jene Projekte,  wie beispielsweise  freier Journalismus, einen gewaltigen sozialen Mehrwert darstellen (4). Abschließend gilt es also weiterhin gut zu überdenken, wie wir jene entlohnen möchten, die ihre ganze Arbeitskraft gesellschaftlich relevanten Inhalten widmen.

 

Quellen:

Quellen:

(1)    Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

(2)    Anna Riedel, 2012, Kapitel 17 Free (Chris Anderson), In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hrsg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, S.219-233, 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verlag.

 

Phänomen Coworking: (Noch) Trend oder (schon) soziale Bewegung?

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Entnommen von: http://www.deskmag.com/de/die-ersten-ergebnisse-der-zweiten-coworking-befragung-171 (letzter Zugriff am 13.06.2012)

Der englische Begriff Cowoking  bedeutet zu Deutsch gemeinsam arbeiten und bezeichnet damit eine neue Form des Arbeitsplatzes und der Arbeitsorganisation (1). Die Idee des Arbeitens in einem Coworking Space findet  großen Anklang: Weltweit gibt es laut einer Erhebung von Deskwanted.com aus dem Jahr 2013 2500 Coworking Spaces in über 80 Ländern. Davon befinden sich in Europa 1160,  in Deutschland 222 und in Berlin ganze 68 Orte des gemeinsamen Arbeitens. Tendenz steigend (2).

Coworking liegt somit klar im Trend und ist Teil der Sharing Economy, die bereits  große Teile der Gesellschaft erfasst hat.  Doch ist zu erwarten, dass dieser Trend in eine soziale Bewegung mündet? Ist er das vielleicht bereits?

Um diese Frage zu klären, sollte der Begriff der sozialen Bewegung zunächst genauer definiert werden. Über eine allgemeingültige Definition des Begriffes wird in der Soziologie jedoch noch immer heftig diskutiert. Übereinstimmung findet sich jedoch in der Verwendung des Begriffes zur Bezeichnung von Strömungen und Gruppierungen  gesellschaftlichen Ursprungs, die mithilfe von gemeinsamer Willensbildung, Kommunikation und Protest  nach  zielgerichteten Veränderungen  im politischen und öffentlichen Raum streben (3). Große soziale Bewegungen der letzten Jahr(zehnt)e sind beispielsweise die Friedensbewegung, die Umweltbewegung , oder die Antikernkraftbewegung (4).

Die These, dass es sich bei Coworking um eine soziale Bewegung würde der Umstand unterstützen, dass das Phänomen zwei  von insgesamt 11 weltweiten Megatrends unterstützt: Konnektivität und Neues Arbeiten.  Das Leben und Arbeiten aller Menschen ist zum einen zunehmend in Netzwerken organisiert und von diesen geprägt. Zum anderen ergeben sich daraus  innovative Entwicklungen und  Formen des Arbeitsmarkts und Arbeitsalltages: Neue, flexible und dezentrale Arbeitsräume (wie zum Beispiel Coworking Spaces) werden geschaffen, Menschen arbeiten an häufig wechselnden Orten und arbeiten zunehmend selbstständig (5). Auch dem Bericht des DIW aus dem Juli 2013zufolge ist die Anzahl der Selbstständig Arbeitenden in Deutschland in den letzten Jahren stetig angestiegen. Hinzu kommt der Umstand, dass viele Selbstständige nur über ein vergleichsweise geringes Einkommen verfügen. Es gilt also einen möglichst preisgünstigen Arbeitsraum zu schaffen. Viele Selbstständige arbeiten deshalb im eigenen Zuhause, was sich auf Dauer aber als nicht so effektiv, einsam, oder aus anderen Gründen als schwierig erweisen kann. Coworking Spaces bieten hier eine günstige, schnelle und flexible Alternative, was viele ehemals Zu-Hause-Arbeitenden dazu bewegt, das Angebot zu nutzen (6).  

Dennoch gibt es auch Argumente gegen die Bezeichnung des Coworking als soziale Bewegung. Während Berlin seit Jahren als eine der Hochburgen der Coworking Spaces gilt, mussten Ableger des Betahauses in Köln und Hamburg bereits wegen mangelnder Nachfrage geschlossen werden, beziehungsweise Insolvenz anmelden.  Dass das Konzept in Berlin funktioniert, sich in Hamburg und Köln jedoch nicht durchsetzen konnte, lässt sich laut Alex Hoffmann, einem Autor des Onlinemagazines Gründerszene, nicht einzig auf teurere Immobilienpreise, oder eine größere Attraktivität des Standorts Berlin für internationale Firmen zurückführen. Es fehle in anderen deutschen Großstädte vielmehr an der so ausschlaggebenden kritischen Masse, die für die flächendeckende Verbreitung eines Konzeptes ausschlaggebend ist (7). Zudem ist es auffallend, dass sich Coworking Spaces in Deutschland fast ausschließlich in großen Städten befinden. Nach neuen Arbeitsräumen in ländlichen Regionen sucht man auf google maps vergebens. Coworking ist zusammenfassend ein Phänomen des urbanen Raumes, kann sich aber auch dort nicht überall durchsetzen.

Abschließend ist es meiner persönlichen Meinung nach sehr schwierig zu bewerten, ob es sich bei Coworking (schon) um eine soziale Bewegung handelt. Der Trend zu neuen Arbeitsformen- und orten, hat Europa und speziell Deutschland und Berlin in jedem Fall bereits erfasst, jedoch bisher lediglich teilweise durchdrungen. Für den Status einer sozialen Bewegung fehlt dem Coworking meiner Meinung nach bisher, die flächendeckende Verbreitung und Akzeptanz, die neusten gesellschaftlichen Entwicklungen und weltweiten Megatrends legen jedoch nahe, dass aus dem Trend in einigen Jahren eine soziale Bewegung werden könnte.

 

Quellen:

(1)  Bonte, A. (2011): Simulierendes Umfeld für wissenschaftlichen Austausch und Gründerideen. In: BIS – Das Magazin der Bibliotheken Sachsen. Nr.1. S.6-8.

 

(2)  Foertsch, C. (2012): 1800 Coworking Spaces weltweit. In: Deskmag. http://www.deskmag.com/de/1800-coworking-spaces-weltweit-165-in-deutschland-statistik-534. (letzter Zugriff am 13.06.14).

 

(3)  Ahlemeyer, H. W. (1989): Was ist eine soziale Bewegung? Zur Distinktion und Einheit eines sozialen Phänomens. In: Zeitschrift für Soziologie. Jg.18. Nr.3. S.175-191

 

(4)  Horx, M. (2012): Megatrends – Die großen Treiber der Gesellschaft. Auf: Zukunfts institut. http://www.zukunftsinstitut.de/megatrends. (letzter Zugriff am 13.06.2014).

 

(5)  Brenke, K. (2013): Allein tätige Selbstständige: starkes Berufswachstum, oft nur geringe Einkommen. In: DIW Wochenbericht. Nr.7. S.3-15.

 

(6)  Foertsch, C. (2012): Supporting Coworking´s growth: The story of Deskmag & Deskwanted. In: Deskmag´s second annual  global coworking survey. S.1-21.

 

(7)  Hoffmann, A. (2013): Coworking braucht eine kritische Masse. Auf: Gründerszene. http://www.gruenderszene.de/allgemein/betahaus-kritische-masse. (letzter Zugriff 12.06.2014).

 

Hörbuch FM!

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Quelle: https://www.phonostar.de/images/auto_created/hoerbuchfm_logoXL.jpg (zuletzt zugegriffen am 15.05.2014)

Wie Crowdfunding soziale Projekte ermöglicht: Ein Praxisbeispiel

Die  Zeiten, in denen man Bücher nur in gedruckter Form genießen konnte, sind lange vorbei. Neben der ressourcenarmen und umweltfreundlichen Form des Ebooks (mehr dazu von unserer Mitautorin … hier      (zuletzt zugegriffen am 15.05.2014)), erfreuen sich auch Hörbücher großer Beliebtheit. Die augenschonende Alternative bietet – im besten Falle gleichzeitig – Entspannung, Unterhaltung und/oder Bildung für alle Altersklassen. Der Erwerb einer entsprechenden Datei oder CD ist  jedoch häufig relativ teuer und auch die kostenlos ausleihbaren Exemplare in einer Bibliothek oder bei Freunden sind schnell vergriffen, oder in der Auswahl sehr beschränkt.

Das vielfältige Potential des Internets und der durch das Web 2.0 weit vernetzten Gesellschaft, hat jedoch auch für diese Problem eine Lösung parat, die jeden Liebhaber guter Hörbücher sehr freuen dürfte: Hörbuch FM. Hinter dem Namen verbirgt sich ein im November 2010 von zwei Berliner Firmen gegründetes Webradio, dessen Programm ausschließlich aus Hörbüchern besteht. Dabei ist von Spannung bis Spaß (auch für speziell für Kinder!) alles dabei. Doch wie finanziert sich das Projekt? Durch die Nutzung des Internets und privater Computer, fallen vergleichsweise wenig Kosten für die Produktion und Distribution der Inhalte an. Dennoch hat das Team von Hörbuch FM nach eigenen Angaben mindestens 1.100€ monatlich zu tragen, die sich vor allem aus den Kosten für die Festangestellten Moderatoren und Gebühren für die Gema zusammensetzen. Wer nun glaubt, die Lösung läge – wie bei anderen Radiosendern üblich – in der Finanzierung durch  nervige Werbebeiträge, für den hat Hörbuch FM ein weiteres Ass im Ärmel: Das Programm ist komplett werbefrei. Das Projekt finanziert sich vielmehr komplett durch die freiwilligen Spenden der Hörenden. Dabei kann man auf der Website unter der Rubrik ´Unterstützer werden` ganz frei wählen, ob man  einen monatlich festgelegten, oder einmaligen und völlig frei festgelegten Beitrag spenden möchte.

Hörbuch FM zeigt, wie es möglich sein kann, soziale Informationsproduktion völlig uneingeschränkt und kostenlos für alle zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig gemeinsam die Ausgaben der Produzierenden zu stemmen. Der Harvardprofessor, Autor und Jurist Yochai Benkler, der in seinem bekannten Werk `The Wealth of Networks` unter anderem für weniger künstliche Restriktionen und mehr öffentliche und kostenfreie Inhalte im World Wide Web plädiert, dürften Projekte wie dieses sehr freuen. Zeigt es doch klar das Potential eines Netzwerks von über das Internet verbundenen Privatpersonen und wie sich Geben und Nehmen in einer vernetzten Informationsgesellschaft produktiv ausgleicht, auch ganz ohne fest kalkulierte und festgesetzte Preise.

 

Quellen:

(1) Autor unbekannt: Hörbuch FM: Wer nicht lesen will muss hören! Internetradio sendet 24 Stunden täglich über Hörbücher und Literatur. http://www.berlin.de/projekzukunft unter: http://www.berlin.de/projektzukunft/networking-events/neu-in-berlin/artikel/hoerbuchfm-wer-nicht-lesen-will-muss-hoeren/ (zuletzt zugegriffen am 15.05.2014).

(2)  . Benkler, Yochai): The Wealth of Networks. How Social Production Transforms Markets and Freedom(2006)  New Haven/ London: Yale University Press, S. 29-12.
(3)Herz,Laura:Ebooks(2014) unter: https://kollaboration2014.wordpress.com/praxisbeispiele/e-books/(zuletzt zugegriffen am 15.05.2014):
(4) Hörbuch FM: Wer nicht lesen will muss hören! Über uns.unter: http://www.hoerbuchfm.de/ueberuns (zuletzt zugegriffen am 10.05.2014).

(5)  Schmaltz, Tilo: Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle. Michelis,Daniel und Schildhauer, Thomas (Hrsg.). S. 174. 2. Auflage.(2012) Baden-Baden.

Yochai Benkler – Informationswirtschaft 2.0

Das 21. Jahrhundert hat durch die Erfindung und großflächigen Verbreitung des Internets unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben maßgeblich verändert. Welchen Einfluss die neuen Medien auf den Sektor der Informationswirtschaft haben, hat der Harvardprofessor Yochai Benkler in seinem Buch „The Wealth of Networks“ untersucht und dargestellt. Benklers Theorie zur „Vernetzten Informationswirtschaft“ wurde von Tilo Schmaltz in einem gleichnamigen Beitrag komprimiert zusammengefasst.

Yochai Benkler prägt den Begriff der vernetzten Informationswirtschaft des 21. Jahrhunderts, welche er der klassischen Industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts vergleichend gegenüberstellt.

Das 20. Jahrhundert war geprägt von „massenhaften Vervielfältigung und flächendeckenden Verbreitung“ (Schmaltz 2012, S.174)  . Technologischer Fortschritt wie das Fließband und die Druckerpresse ermöglichten große, standardisierte Produktionen wie zum Beispiel das Drucken des Massenmediums Zeitung. Die Motivation für die Informationserschaffung und –verbreitung lag vor allem auf der Erwirtschaftung finanzieller Gewinne; Informationen wurden nach ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt.  Die Produktion in der industriellen Informationswirtschaft war  demnach durch einen hohen Anteil an benötigten Ressourcen sehr kostenaufwendig, zentralisiert und hierarchisch strukturiert und ließ keinen Raum für Nischen.

Ganz anders gestaltet sich die Produktion von Informationsgütern im 21. Jahrhundert. Auf der Basis von Privatpersonen gehörenden Computern, die durch das Internet vernetzt sind, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, Informationen zu produzieren und zu verbreiten. Bedingt durch individuelle Variationen von „sozialpsychologischen und emotionalen Motivationsmustern“ (ebd., S.177) schließen sich dezentralisierte Einzelpersonen über das Internet zusammen und erschaffen  Informationssammlungen und/ oder verbreiten diese. Dabei treten finanzielle Motive völlig in den Hintergrund, was auch zu einer neuen Bewertung von Informationen führt. Benkler bezeichnet diese neue Form der Produktion als Peer Production.  Beispiele für solch kollaborative Wissenssammlungen sind Wkipedia, Digg  und natürlich  auch zahlreiche Foren und Blogs.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die vernetzte Informationswirtschaft durch ihren freien, kostenlosen, offenen und kollaborativen Charakter der Informationsproduktion und – verbreitung ganz neue Sphären und Möglichkeiten eröffnet. Dennoch wirft die neue Form auch Fragen und/oder Problemstellungen auf, wie zum Beispiel den Umgang mit vertraulichen, oder urheberrechtlich geschützten Informationen. Hier gilt es zeitnah allgemeingültige Regelungen zu finden, um Konflikte zu vermeiden.

Quellen:

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

vgl. Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven/ London: Yale University Press, S. 29-127