Vom Teilen und Tauschen

Persönlich war ich bisher auf kollaborativen Plattformen nicht sonderlich aktiv. Ich habe einmal Konzertkarten über Ebay Kleinanzeigen verkauft, hatte von Kleiderkreisel und Couchsurfing zwar schon gehört, mich jedoch nicht weiter mit diesem Thema auseinandergesetzt. Durch das Seminar und der Beschäftigung auch mit dem wirtschaftlichen Konzept welches dahinter steht, wurde schnell klar, dass kollaborative Plattformen in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens präsent sind. Ob privat oder beruflich, der Austausch von Gütern ist allgegenwärtig, seien es nun reelle Güter, wie Kleidung, Bücher, oder eine Bohrmaschine, oder die Verbreitung von Daten, Gedankengut und Wissen bis hin zur gemeinschaftlichen Nutzung eines Fahrzeuges oder das Teilen eines Arbeitsplatzes.

Die Theorien über das Aufkommen des gemeinschaftlichen Konsums (Botsman) und über die sich neu formende Gesellschaft hin zur Wissensgesellschaft (Kajetzke, Engelhardt) waren sehr vielseitig und veranschaulichten diese Entwicklungen. Ich habe einen umfangreichen und sehr interessanten Einblick in die Strukturen dieses modernen Wirtschaftszweiges erhalten.

Bezugnehmend auf meinen ersten Blogeintrag zur Dropbox und der hier auftretenden Problematik des Datenschutzes – schließlich kann man nie wissen, wer am anderen Ende die Daten herunterlädt – bietet meiner Ansicht nach, Lessigs Lösungsvorschlag der CreativeCommons Lizenz eine brauchbare Alternative. Denn dabei kann jeder Urheber selbst aus unterschiedlich begrenzten Bearbeitungs-, Verbreitungs- und Nutzungsmöglichkeiten einer Lizenz auswählen, welche für die eigene Arbeit greifen sollen.

Abschließend kann man sagen, dass der gemeinschaftliche Konsum, jeder/m die Freiheit lässt, sich nach eigenem Ermessen einzubringen. Der/die Einzelne kann von der Gemeinschaft profitieren, ohne dabei die eigene Individualität einschränken zu müssen. Das Seminar hat auf jeden Fall meinen Blick für diese Thematik erweitert, und mir die Vorteile des Tausch-Teilen-Konzepts vor Augen geführt.

Lessigs Kritik am Urheberrecht

Nach der Theorie von Lessig verhindert das Urheberrecht „die Innovationen, die das Internet in seiner ursprünglichen Formgeschaffen hat“ (S. 150). Damit meint er, dass die Entwicklung des Internets zu einem gewissen Grad auf gemeinschaftlichen Gütern basiert (commons), welche die Innovationen und das ständige Vorantreiben jeglicher Online Communities ermöglicht, wie zum Beispiel Open Source Software.

Schon das Verbreiten eines Bildes, welches nicht von einem selbst stammt – zum Beispiel auf Social Media Plattformen und/oder Online Tauschbörsen – gilt dabei als Verletzung des Urheberechts, selbst wenn mit dieser Verbreitung kein eigener Profit erzielt wird. Mehr noch, Lessig bezeichnet fast alle Arbeitsvorgänge, die eine Form kreativen Schaffens darstellen, als dem Urheberrecht unterliegend. So weit, dass dadurch jegliche Entwicklung, sowie kreative Ausschöpfung gehindert werden.

Auch in der Politik ein viel diskutiertes Thema. Geht es doch nicht darum, den Künstlern ihre Einkünfte oder sogar ihre Kreationen streitig zu machen, sondern vielmehr darum, gewisse Grenzen zu setzen, um dem Allgemeinwohl einen Spielraum der Nutzung und Verbreitung zu lassen.

Sollte sich ein Künstler nicht im Klaren darüber sein, dass die eigens erschaffenen Inhalte, sobald sie auf Plattformen wie Google o.ä. veröffentlicht sind, auch – unentgeltlich – von der Community genutzt werden sollten, können, dürfen?!?
Nicht um eigenen Profit daraus zu schlagen, sondern möglicherweise einfach aus Freude am kreativen Gut.

Quellen:

• Funke, Stefanie. 2012. Kapitel 11 The Future Of Ideas (Lawrence Lessig). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 149–161. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.

• http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/warum-urheberrecht-und-internet-nicht-zusammenpassen-a-828246.html: „Urheberrecht im Internet: Lieber frei als gerecht“, von Michael Seemann 21.04.2014. Aufgerufen am 25.06.2014.

tante renate – Ein Platz für kreative Arbeit

Seit 2008 bietet das Coworking Loft Raum für einen professionellen Arbeitsplatz in Kombination mit kollegialer Gesellschaft anderer Kreativer, in zentraler Lage, in Berlin Kreuzberg. Neben den, im monatlichen Mietpreis enthaltenen technischen Angeboten, wie WLAN Zugang, Laser Drucker und VDSL Flatrate, können optional auch ein eigener Festnetzanschluss mit Telefon Flatrate, sowie ein Web- und Teamserver hinzugebucht werden. Die gemeinschaftlich genutzten Angebote, wie die Teeküche, eine Sofaecke, ein Wachschutz und alle hinzukommenden Betriebskosten, sind mit inbegriffen.

Mit 199,- € monatlich liegt die tanterenate in etwa im preislichen Mittelfeld (Cowroking Spaces mit vergleichbarem Angebot haben Gebühren von 110,-€ bis 220,-€. Quelle (1) ). Jedoch können Arbeitsplätze hier nicht täglich gebucht werden.

In erster Linie richtet die tanterenate ihr Konzept auf kreative Arbeit aus, sowie die meisten Coworking Spaces (vergl. Merkel, Janet und Oppen).

Die beiden Gründer Timo Hölzer und Joana Kluge stammen selbst aus dem kreativem Bereich. Nach dem Abschluss an der MediaDesign Hochschule Berlin, ist Hölzer freiberuflich als Programmierer und Webdesigner tätig. Er nutzt die Räumlichkeiten der tanterenate ebenfalls für die eigene kreative Arbeit. Das Projekt CoWorking Space entstand also sozusagen aus der Not heraus, und um zusätzliche Einkünfte zu erzielen. Die Not macht also doch erfinderisch.

Quellen:
(1) http://venturevillage.eu/berlins-10-best-coworking-spaces, Artikel von Linsey Fryatt, 02.06.2014, gelesen 09.06.2014

Merkel, Janet und Maria Oppen. 2013. Coworking Spaces: (Re-)Organisation kreativer Arbeit. WZBrief Arbeit 16 (Juni)

http://tanterenate.de/index.html, 09.06.2014

https://www.xing.com/profile/Timo_Hoelzer, 09.06.2014

http://www.thcreate.de/, 09.06.2014

https://www.facebook.com/bei.tanterenate/info, 09.06.2014

Drei Systeme von Collaborative Consumption – am Beispiel Global Sharing Day

Im letzten Jahr startete zum ersten Mal das Projekt des Global Sharing Day. Dieses Jahr steht das Projekt unter dem Motto: „neighbourhood sharing“. Bei diesem gemeinschaftlichen Tauschevent kann sich jeder in dem Maße beteiligen, wie er/sie es möchte, als Sponsor oder Partner.

Botsman und Rogers nennen drei Systeme, in die sich verschiedene Formen von Collaborative Consumption unterteilen lassen.

• Product Service System: Dieses System bezieht sich darauf, dass ein Produkt mit für den/die Einzelne/n eingeschränktem Nutzen, durch Austausch an Andere einen weitaus höheren Nutzen bigt. Dies ist jedoch eher bei Systemen wie Carsharing oder Verleih von Werkzeugen der Fall.

• Redistribution Markets: Hierbei handelt es sich um die Neudefinierung und Umstrukturierung von Handelssystemen. Anders als im herkömmlichen Geschäft, werden beim Global Sharing Day die Produkte und Güter nicht zwangsläufig gegen Geld getauscht. Es können beispielsweise Güter gegen Güter oder Essen getauscht werden. Ein alternativer Weg der Bezahlung findet hier statt. Die Akteure können hier sowohl als Anbieter, als auch als Käufer in Aktion treten.

• Collaborative Lifestyles: Das Projekt des Global Sharing Day passt meiner Ansicht nach am Ehesten zum Systen des Collaborative Lifestyles. Denn hier wird nicht etwa ein einzelnes Produkt via Internet auf einer Plattform angeboten, sondern ganz „altmodisch“ an einem Stand. Die Teilnehmer/innen sind aktiv am Verkauf beteiligt, lernen ihre Käufer über face to face Kommunikation direkt kennen, kommen ins Gespräch. Es ist also ein völlig andere Form des Begriffes Community, die die Grenzen der Anonymität überwindet.

Die Veranstaltung ist jeder/m zugänglich, der/die etwas zu tauschen hat, sowie jeder/m Interessierten, der/die sich umschauen und der Community anschließen möchte.

Quellen:
• Botsman, Rachel und Roo Rogers. What’s Mine Is Yours. In: What’s Mine Is Yours: The Rise of CollaborativeConsumption, ix–xxii. London: Collins. 69-97

http://www.thepeoplewhoshare.com/global-sharing-day/, 18.05.2014

• Collaborativeconsumption.com, Article posted by: Mia de Villa, Collaborative Consumption Team, 18.05.2014

 

Tilo Schmaltz – Der Paradigmenwechsel nach Benkler

Schmaltz beschreibt in seinem Text (nach Benkler) ganz grundsätzlich die Entwicklung von der industriellen Informationsgesellschaft hin zur sozialen Informationsgesellschaft, und deren Vorteile, wie z.B. geringe Grenzkosten (da hierbei keine Produktion weiterer Einheiten z.B. eines Informationsmediums besteht), sowie höherer Effizienz durch „gesellschaftlichen Wertezuwachs[es]“ (S.180). Als Voraussetzung für diese Entwicklung nennet er einen Paradigmenwechsel. Dieser ist zum einen von technologischer Art. Das heißt die Möglichkeit des Einzelnen vom privatisierten Computer aus über den Zugang zum Internet jederzeit Informationen individuell und zeitlich unabhängig abzurufen. Darauf aufbauend nennt er den sozialen Paradigmenwechsel insofern, dass die neuen technologischen Gegebenheiten ein kooperatives Verhalten „zu Gunsten der Allgemeinheit“ (S. 175) entwickeln. Eine Motivation also sich aktiv kollaborativ zu vernetzen. Eine Folge dieser Vernetzung ist eine Dezentralisierung der Produktionsmittel, also eine allgemeine und individuelle Verfügbarkeit dieser.

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.