Lessig und das Urheberrecht

Was ist nach Lessig so falsch am gegenwärtigem Urheberrecht? 

Das Urheberrecht stammt aus einer analogen Zeit, in der die heutigen technologischen Fortschritte und die daraus folgenden Entwicklungen undenkbar waren, deshalb müsse nach Lawrence Lessig (Rechtswissenschaftler aus den USA) das gegenwärtige Urheberrecht an jene Entwicklungen angepasst werden. 

Zwar wurde das deutsche Urheberrecht in den 90er Jahren des 20 Jahrhunderts zugunsten der technologischen Möglichkeiten in einzelnen Punkten verändert, z.B. dass eine Mindestschutzdauer von 50 Jahren über den Tod des Urhebers hinaus geht. Allerdings ist in den USA eine Schutzdauer von bis zu 150 Jahren möglich. Solche Zahlen machen für Lessig in einem effektivem Urheberrecht keinen Sinn. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Urheberrechts#21._Jahrhundert). 

Viele Unternehmen oder Industrien nutzen das Urheberrecht nicht um innovative Entwicklungen zu fördern, sondern zielen auf eine wirtschaftliche Gewinnmaximierung. Nach Lessig birgt das aktuelle Urheberrecht demnach die Gefahr einer absoluten Kontrolle. Das heißt, dass der Einzelne keine Möglichkeiten hat, sich einzubringen und der Fortschritt, wenn er dann existiert, einzig und allein in den Händen der Unternehmen liegt. Nach Lessig sei ein rasanter und effektiver Fortschritt aber nur möglich, wenn eine Balance zwischen dem allgemeinen und dem privatem Gut herrscht (vgl. Funke: S. 153).

Lessig sieht das Urheberrecht nicht als etwas überflüssiges, sondern es müsse nur dem heutigen Zeitalter angepasst werden. „Ohne Zweifel sollte ein urheberrechtlicher Schutz gegeben sein, ansonsten hätten Künstler, Autoren oder Softwareentwickler kaum einen Anreiz, zum Teil Jahre in die Entwicklung zu investieren“ (Funke: S.155)  

Die Frage ist dann nur, in welchem Maße die Werke von den jeweiligen Künstlern, Autoren oder Entwicklern geschützt werden müssen bzw. sollen?

Lessig schlägt einige Veränderungen dafür vor. Eine wesentlich bessere Alternative nach Lessig wäre ein Recht, welches fünf Jahre gilt und maximal 15 mal verlängert werden darf. Somit wären 75 Jahre Zeit für Unternehmen oder Künstler ihre Werke allein zu verwerten und gleichzeitig genug Zeit um Anreize für innovative Tätigkeiten zu setzen (vgl. 158). 

Der US-Amerikaner Lessig bezieht sich bei seinen Lösungsansätzen hauptsächlich auf das amerikanische Urheberrecht, welches noch wesentlich strenger als das deutsche ist. Allerdings sollten sich seine Vorschläge auf das Urheberrecht im Allgemeinen anwenden lassen können (vgl. Funke: S. 159).

So hat er zusammen mit anderen Kritikern des gegenwärtigen Copyrights, die CreativeCommons-Initiative gegründet. Diese bietet den Urhebern die Möglichkeit selber zu entscheiden, in welchem Maße ihre Werke verbreitet und wiederverwendet werden dürfen. Dies soll ein Ansatz zur Erhaltung und Förderung von Commons, also dem Allgemeingut geben. Dass diese Initiative Wurzeln schlägt, kann man an dem Beispiel Wikipedia sehen, welches ihre Texte bereits unter der CreativeCommons Lizenz veröffentlicht.

Funke, Stefanie. 2012. Kapitel 11 The Future Of Ideas (Lawrence Lessig). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 149–161. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Urheberrechts#21._Jahrhundert. Stand: 18.06.2014 (zugegriffen am 26.06.14) 

 

Wikinomics

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Kain, Alexander. 2012. Kapitel 12 Wikinomics (Don Tapscott, Anthony D. Williams). In: Social Media Handbuch: Theorien,     Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 162–173. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

 

TimeBanks als Beispiel für Collaborative Consumption

Inwiefern spiegeln sich in dem Beispiel die vier Grundprinzipien des kollaborativen Konsums wieder?

„Du hast was gut bei mir!“ – Diesen Satz hat man schon öfters von Freunden oder Bekannten gehört oder aber selber mal nach einem netten Gefallen verkündet. Meistens kommt es dann aber doch nicht zu einem Revanchieren, da dies meistens als Floskel verwendet wird und schnell vergessen werden kann.

Dr. Edgar S. Cahn, der Gründer von timebanks.org USA hat dieses Prinzip des „sich-gegenseitig-helfen“ auf ein professionelles Level gehoben. Zeitbanken sind Vereinigungen zwischen Menschen, die als geldlose Tauschwirtschaft funktionieren. Die angemeldeten Mitglieder einer Zeitbank können dort ihre Unterstützung anbieten, wobei die Bezahlung in Zeitform erfolgt. Die Stunden an Arbeit, die ein einzelner oder eine Gruppe geleistet hat, werden auf ein virtuelles Konto „eingezahlt“ und können, bei benötigter Hilfe „ausgegeben“ werden. (vgl. Wikipedia: Zeitbank)

Timebanks.org USA bietet die Möglichkeit neue Zeitbanken zu gründen oder bereits bestehenden Zeitbanken beizutreten. Das Prinzip der Zeitbank beschränkt sich auf der Internetseite nicht nur auf ein 1:1 Geschäft, sondern ermöglicht auch größeren Gruppen einzelnen Personen oder anderen Gruppen ihre Hilfe anzubieten (vgl. timebanks.org/more-about-timebanking/).

Das technologische Zeitalter macht einen solchen Austausch weltweit möglich. TimeBanks ist eins von vielen Beispielen des heutigen kollaborativen Konsums, wie ihn Rachel Botsman und Roo Rogers in ihrem Buch „What’s mine is yours“ beschreiben. Aufbauend auf vier Prinzipen erläutern die AutorInnen das Erfolgsrezept für ein gemeinsames Konsumieren:

1. Critical mass 

2. Idling capacity

3. Belief in „the commons“

4. Trust in Strangers 

TimeBanks USA hat seit der Gründung im Jahre 1995 mittlerweile eine Anzahl von über 200 Zeitbanken in den USA und somit eine minimale Größe der Mitglieder für ein funktionierendes Beispiel eines „Collaborative Consumption System“ längst erreicht (Botsman, Rogers, 2011: S.71). Der Erfolg spiegelt sich in 32 weiteren Ländern weltweit wieder, in denen mittlerweile aktiv Zeitbanken in Anspruch genommen werden (vgl. timebanks.org/about/).

Wir leben in einer verschwenderischen Gesellschaft und Plattformen wie TimeBanks sind ein Schritt in eine positivere Richtung. Die freien Kapazitäten der Mitglieder und dessen Arbeit werden im besten Maße verwendet, weil jeder genau das anbietet, was er im Endeffekt auch zurückerhält. Somit wird nichts verschwendet, sondern im Austausch mit anderen Menschen effektiv genutzt. 

TimeBanks ist ein Paradebeispiel für den Glauben an das Gemeinschaftliche. Botsman und Rogers erklären dies als ein „Geben-umzu-Nehmen-Prinzip“, indem das Mitglied innerhalb einer Community seine eigenen sozialen Fähigkeiten einsetzt und dadurch Gegenleistung erhält (vgl. Botsman, Rogers, 2011: S.90). 

Damit Zeitbanken funktionieren ist das Vertrauen in Fremde unabdingbar. Die Seite timbanks.org hat eine Software entwickelt, die es den Mitgliedern ermöglicht einen Überblick über alle nötigen Informationen zu behalten, aber auch um sich mit anderen Mitgliedern auszutauschen und sich gegenseitig besser kennenzulernen (vgl. timebanks.org/more-about-timebanking/). 

Die vier Prinzipien des kollaborativen Konsums spiegeln sich in der Platform timebanks.org USA wieder. Dies entspricht der Theorie von Botsman und Rogers, dass ein funktionierendes System ausschlaggebend für ein positives gemeinschaftliches Konsumieren ist.

http://timebanks.org/more-about-timebanking/. TimeBanks USA. 2014. (zugegriffen 15.05.14)

http://timebanks.org/about/.TimeBanks USA. 2014. (zugegriffen 15.05.14)

http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitbank, 28.06.2013 (zugegriffen am 15.05.14)

Botsman, Rachel und Roo Rogers. 2011b. The Rise of Collaborative Consumption. In: What’s Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption, 67–96. London: Collins. 

 

 

 

Vernetzte Informationswirtschaft

„Die vernetzte Informationswirtschaft lässt sich als Gegenentwurf zur Produktion von Massenmedien in der industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts betrachten“

Das Internet bietet heutzutage die fantastische Möglichkeit sämtliche Informationen auf Knopfdruck zu bekommen. Neben dem Zugang zu Nachrichten aus aller Welt haben Internetnutzer quasi grenzenlose Möglichkeiten an Musik, Filme, etc. zu gelangen. Yochai Benkler, der an der Harvad Law School lehrt, hat sich mit dem wirtschaftlichen Aspekt der Informationsgesellschaft beschäftigt und vergleicht ihre Veränderungen im letzten Jahrhundert.

Im 20. Jahrhundert musste in die Produktion von Massenmedien reichlich investiert werden, damit Informationen durch Zeitungen oder Radiosender verbreitet werden konnten. (vgl. Schmaltz: S.174). Das Internet bietet nicht nur die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Informationen, sondern ermöglicht zusätzlich ihr kostenloses Verbreiten. Lediglich ein Computer mit Internetzugang ist erforderlich, um sich mit anderen Internetnutzer_Innen im modernen Sinne „an der Produktion und Kommunikation von Inhalten [zu]beteiligen.“ (Schmaltz: S.175) Die „kleine Anzahl mächtiger Produzenten“ (ebd.) wird durch eine unzählige Menge privater Individuen abgelöst, da sowohl In- und Output von den Internetnutzer_Innen selber produziert wird.

Benkler betrachtet die Veränderungen aus der Sicht der Wirtschaft. Die Sicht der Internetnutzer selbst wird durch eine Studie aus dem Jahr 2009 deutlich. Ganze 91 Prozent der Deutschen mit Internetzugang bevorzugen das Fernsehen und die Tageszeitung, wenn es um aktuelle Nachrichten geht. (vgl. Knoblauch, 2012) Da die Studie vor fünf Jahren durchgeführt wurde, lässt sich eine Tendenz in Richtung Internet, zur Beschaffung von Informationen, natürlich nicht ausschließen.

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

Knoblauch, Claudia. Klassische Medien punkten in der Informationsgesellschaft 2.0 – noch!. TNS Emnid Medienforschung. 21.10.2009. Bielefeld. http://www.tns-emnid.com/presse/presseinformation.asp?prID=837