Ist Coworking eine soziale Bewegung?

Manche Menschen arbeiten gerne und effektiv zu Hause. Andere brauchen einen abgetrennten Arbeitsplatz, um Freizeit und Arbeitszeit besser voneinander trennen zu können. Wenn man zu letzteren gehört, kann man sich natürlich ein Büro anmieten. Das wird allerdings oft zu einer ziemlich kostenintensiven Lösung. Außerdem bietet ein gemieteter Büroraum zwar ein geordnetes Umfeld – die Einsamkeit des selbstständigen Arbeitens kann er aber nicht bekämpfen.

Coworking verbindet die professionelle Atmosphäre eines Büros mit sozialen Komponenten. Hier haben Menschen nicht nur die üblichen nötigen Arbeitsmittel und einen WLAN-Zugang zur Verfügung, sondern können sich mit anderen Coworkern über ihre momentanen Projekte austauschen, mit ihnen einen Kaffee trinken und sich gegenseitig neue Denkanstöße geben. In einem Coworking Space zu sitzen ist ein bisschen wie in der Bibliothek zu sitzen, nur, dass man sich mit anderen unterhalten und beim Tippen gemütlich seinen Kaffee trinken darf.

Die Motivationen ein Coworking Space zu nutzen sind vielfältig. Für viele NutzerInnen übt die Flexibilität des Coworkings eine große Anziehungskraft aus. Die meisten Coworking Spaces sind 24/7 geöffnet und rentieren sich so deutlich besser als ein einzeln gemietetes Büro. Außerdem regt der geteilte Arbeitsplatz zum Austausch mit anderen an. NutzerInnen können sich gegenseitig Feedback zu aktuellen Projekten geben, voneinander lernen und im besten Fall (karrierefördernde) Kontakte knüpfen (1).
Coworking ist prinzipiell für jeden geeignet der Zugang zu bestimmten Arbeitsmitteln benötigt, nachhaltig arbeiten möchte, dabei offen für neues ist, Sinn für die Community hat und gerne mit anderen zusammen arbeitet (2).

Coworking revolutioniert die Arbeit von Selbstständigen und Freelancern, erweitert sie um einen Community-Aspekt und macht sie dadurch angenehmer und effektiver. Gerade die für die Kreativbranche oft so wichtigen Kontakte können so leichter geknüpft und im besten Fall gleich mit Arbeitsproben untermalt werden.

Ist Coworking allerdings eine soziale Bewegung? Meiner Meinung nach nicht. Laut Wikipedia (3) versucht eine soziale Bewegung „gesellschaftlichen Wandel zu beschleunigen, zu verhindern oder umzukehren“. Coworking scheint mir wie Multitasking auf das Leben selbst angewandt: Man arbeitet, während man entspannt seinen Tee trinkt und nebenbei soziale Kontakte knüpft. Hier kann ich den Hintergedanken des Weltverbesserns (noch) nicht erkennen. Geht es euch anders?

Quellen:

(1) Merkel, Oppen: Coworking Spaces: „Die (Re-) Organisation kreativer Arbeit.“ WZBrief Arbeit, 16.06.2013.

(2) Voll: Coworking – Internationaler Projekttransfer in der Netzwerkgesellschaft. erschienen auf http://www.opentransfer.de, 31.10.2013

(3) Wikipedia: Soziale Bewegung. http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Bewegung

3 Gedanken zu “Ist Coworking eine soziale Bewegung?

  1. Ich glaube schon, dass Coworking mehr ist als das bloße Kontakte knüpfen bei der Arbeit. Für mich zeigt der wachsende Erfolg von Coworking spaces, dass viele Menschen sich nach einem neuen Arbeitsumfeld sehnen. Ein Umfeld, dass weniger durch Kontrolle und akribischen 8-Stunden Tagesplan charakterisiert ist. Vorteile der Coworking spaces gegenüber der klassischen Arbeitsatmosphäre im Angestelltenverhältnis sind deren Offenheit und Flexibilität sowie die fehlenden Kontrollmechanismen durch Vorgesetzte. Meiner Ansicht nach, kann das Arbeiten unter diesen Voraussetzungen deutlich effektiver und kreativer werden. Viele große Unternehmen (wie Google) experimentieren bereits sehr erfolgreich mit neuen, flexibleren Arbeitsstrukturen, die deutlich mehr auf die Autonomie der Mitarbeiter_innen setzen. Ich glaube, dass Coworking spaces und die „neue Selbstständigkeit“, den Wunsch vieler Menschen nach mehr Freiheit und Eigenverantwortlichkeit bei der Arbeit reflektieren, und dass dies auch Auswirkungen auf klassische Arbeitsstrukturen haben wird.

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    • charlotterieck schreibt:

      Die Vorteile von Coworking gegenüber dem klassischen 9to5-Job sehe ich auch ganz deutlich. Mein Problem ist, dass Coworking für den typischen Angestellten noch keine wirkliche Alternative darstellt, sondern nur eine angenehmere Arbeitsatmosphäre für diejenigen bietet, die eh schon flexibler und offener arbeiten dürfen, weil sie sich in der Selbstständigkeit befinden.
      Ich glaube aber genau wie du, dass Coworking zu kreativeren und auch effektiveren Arbeitsergebnissen führen kann. Für die Klassifikation zu einer sozialen Bewegung fehlt mir aber immer noch die Willkürlichkeit. Für mich scheinen die durch Coworking auftretenden Wandel in der Arbeitswelt eher wie eine schöne Nebenwirkung, als wie ein bewusst hervorgerufenes Phänomen.

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  2. Das Aufkommen der zahlreichen Coworking Spaces spiegelt den Wunsch nach einer neuen Art des Arbeitens wieder, wie Martha bereits sagte. Es ist Teil des kollaborativen Konsums, wie er sich besonders in den letzten Jahren stark auszubreiten scheint und außerdem nachhaltig.
    In diesen Häusern wachsen die neuen Unternehmen von morgen heran. Und nicht nur Selbständige arbeiten gerne dort, auch große Unternehmen verlassen gerne mal für einen Tag ihren Firmensitz, um in einer anderen Arbeitsatmosphäre etwas zu schaffen.
    Was wir auch nicht vergessen dürfen, ist, dass es in erster Linie günstiger ist als ein Büro mit einer nennenswerten Adresse anzumieten und daher besonders für „Starter“ besonders lukrativ. Hinzu kommt, wie in deinem Beitrag geschildert, das kreative Umfeld.
    Ich tue mich ebenfalls schwer, Coworking als eine soziale Bewegung zu bezeichnen, aber in einigen Jahren wird sich das ändern, weil auch der Begriff „Soziale Bewegung“ neu definiert wird und wurde.

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