Peer-Produktion…das können wir auch!

Als Gegenentwurf zur industriellen Informationsproduktion nennt Benkler die soziale Produktion von Wissen. Die Beteiligung an der sozialen Informationsproduktion erfolgt in Form einer vernetzten Organisation, die als Peer bezeichnet werden kann. Eine Peer-Produktion ist demnach ein Zusammenschluss einzelner Peers, die unabhängig voneinander zu betrachten sind, jedoch als ganzes arbeiten und zur Informationsproduktion beitragen. Ein Zusammenschluss in Peers ermöglicht es Arbeitsteilig und damit effizient zu arbeiten. Je nach Aufgabe, kann diese in kleinere Teilaufgaben gesplittet werden, die auf die Mitglieder einer Peers verteilt werden. 

Als Kurs in der Uni einen gemeinsamen Blog zu schreiben, ist ein gutes Beispiel für Peer-Produktion. Aufgabe ist es eine Informationsquelle zum Thema „Kollaboration Im Internet“ zu erstellen. Derzeit ist diese Quelle nur für die Kursteilnehmer zugänglich, doch lässt sich das erarbeitete Repertoire an Wissen – übertreiben wir mal- Weltweit verbreiten.

Weiterhin erfüllt unsere Peer-Produktion auch den Aspekt der Arbeitsteilung. Die Aufgaben werden verkleinert und die Bearbeitung in die Hände eines Mitglieds gelegt. Umfassendere Arbeitsfelder werden gemeinsam erledigt. Jeder Peer Beteiligt sich aktiv am Aufbau der Informationsquelle.Jeder Peer hat, ähnlich wie bei Wikipedia, die Möglichkeit Blogposts zu vervollständigen oder zu kommentieren. Auf diese Art und Weise unterliegen Beiträge eines einzelnen Peers immer der „Kontrolle“ der Gruppe und fördern damit das Verantwortungsbewusstsein der Gruppe für ihre Peer-Produktion.

Quelle:

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In:Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

Vernetzte Informationswirtschaft

„Die vernetzte Informationswirtschaft lässt sich als Gegenentwurf zur Produktion von Massenmedien in der industriellen Informationswirtschaft des 20. Jahrhunderts betrachten“

Das Internet bietet heutzutage die fantastische Möglichkeit sämtliche Informationen auf Knopfdruck zu bekommen. Neben dem Zugang zu Nachrichten aus aller Welt haben Internetnutzer quasi grenzenlose Möglichkeiten an Musik, Filme, etc. zu gelangen. Yochai Benkler, der an der Harvad Law School lehrt, hat sich mit dem wirtschaftlichen Aspekt der Informationsgesellschaft beschäftigt und vergleicht ihre Veränderungen im letzten Jahrhundert.

Im 20. Jahrhundert musste in die Produktion von Massenmedien reichlich investiert werden, damit Informationen durch Zeitungen oder Radiosender verbreitet werden konnten. (vgl. Schmaltz: S.174). Das Internet bietet nicht nur die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Informationen, sondern ermöglicht zusätzlich ihr kostenloses Verbreiten. Lediglich ein Computer mit Internetzugang ist erforderlich, um sich mit anderen Internetnutzer_Innen im modernen Sinne „an der Produktion und Kommunikation von Inhalten [zu]beteiligen.“ (Schmaltz: S.175) Die „kleine Anzahl mächtiger Produzenten“ (ebd.) wird durch eine unzählige Menge privater Individuen abgelöst, da sowohl In- und Output von den Internetnutzer_Innen selber produziert wird.

Benkler betrachtet die Veränderungen aus der Sicht der Wirtschaft. Die Sicht der Internetnutzer selbst wird durch eine Studie aus dem Jahr 2009 deutlich. Ganze 91 Prozent der Deutschen mit Internetzugang bevorzugen das Fernsehen und die Tageszeitung, wenn es um aktuelle Nachrichten geht. (vgl. Knoblauch, 2012) Da die Studie vor fünf Jahren durchgeführt wurde, lässt sich eine Tendenz in Richtung Internet, zur Beschaffung von Informationen, natürlich nicht ausschließen.

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl. 

Knoblauch, Claudia. Klassische Medien punkten in der Informationsgesellschaft 2.0 – noch!. TNS Emnid Medienforschung. 21.10.2009. Bielefeld. http://www.tns-emnid.com/presse/presseinformation.asp?prID=837

 

 

 

Paradigmenwechsel laut Benkler

Was hat sich denn nun tatsächlich verändert? Ist Information nicht gleich Information?

Und genau darüber spricht der Rechstwissenschaftler Yochai Benkler, dass die Informationen die uns heute zur Verfügung stehen keinesfalls mit den Informationen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen sind.

Stellt man die Informationsproduktion des 20. Jahrhunderts der des 21. Jahrhunderts gegenüber erkennt man eine Veränderung auf sozialer und technologischer Ebene.

Im Vergleich zu vergangenen Zeiten sind wir was unsere Informationsproduktion angeht vielschichtiger, individueller und vor allem kostenlos.
Dies ist dadurch bestimmt, dass wir aufgrund des technischen Fortschritts „Internet“ alle die Möglichkeit haben uns zu jeder Zeit an jedem Ort an der Informationsproduktion zu beteiligen, mit anderen Informationsproduzenten zu vernetzen und auszutauschen.

Die industrielle Informationsproduktion die mit Produktionskosten, Planung und Investition verbunden ist wird nun schlagartig eingeholt von der vernetzten Informationswirtschaft.
Die vernetzte Informationswirtschaft hat die Vorteile, dass die Beiträge fern von jeglicher Massenproduktion an Individualität gewinnen und sich durch die Möglichkeit die das Internet bietet unabhängiger wird und sich von vorherrschenden kommunikativen Kontrollmechanismen loslösen kann.

Es ist nun nicht mehr die von Produktionskosten gelenkte industrielle Informationswirtschaft die uns als einziger Input dient, wir haben als Konsumenten nun auch die Freiheit Informationen der vernetzten Welt aufzunehmen und selbst ein Teil dieses Netzwerks zu werden.
Der Fokus liegt also nun nicht mehr auf eine industriell hergestellt „Masseninformation“ sondern vielmehr hat sich nun die Informatiosnproduktion auf die individuellere vernetzte Informationsproduktion verlegt.

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, S. 174-181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verlag

Vernetzte Informationswirtschaft und Peer-Verfahren

Was ist Peer-Produktion bei Yochai Benkler?

Welche Beispiele fallen Dir jenseits von Wikipedia ein?

Tilo Schmaltz skizziert in seinem Text Vernetzte Informationswirtschaft Yochai Benklers gleichnamige Theorie zum „[…] Einfluss der Sozialen Medien auf die Produktion von Informationsgütern“ (vgl. Schmaltz 2010: 174). Gemeint sind hier vornehmlich digitale Informationsgüter des Internets, die nach Benkler – von ihrer Erzeugung her – in industrielle Informationsproduktion und soziale Informationsproduktion unterteilt werden können. Während erstere vor allem die finanziellen Aspekte – eben Produktivität und daraus entstehende möglichst hohe Gewinnspannen – fokussieren, beruft sich zweitere auf  sozialpsychologische und emotionale Motivationsmuster (vgl. ebd. 174ff.).

 „Die für soziale Informationsproduktion typische Organisationsform […]“ ist die „[…] Peer-Produktion […]“, eine modulare Gruppenstruktur, in der sich einzelne voneinander unabhängige Personen als Peers zur gemeinschaftlichen Produktion zusammenfinden“ (Schmaltz 2010: S. 177).[1]

In dieser Gruppenstruktur werden Aufgaben – das Erstellen von Informationen, wie beispielsweise ein Text – in einzelne Module zergliedert, um diese dann dezentralisiert von den jeweiligen Peers bearbeiten und erstellen zu lassen. Als weltbekanntes Exempel dient an dieser Stelle Wikipedia, bei der eine Vielzahl von Einzelpersonen autark, an primär Texten, arbeiten und modulieren kann. Neben dieser ‚freien Enzyklopädie’ gibt es eine Reihe anderer  Internetunternehmen, -projekte, etc., die bei Weitem nicht so namhaft sind, doch denselben Peer-Verfahren unterliegen. Dazu gehören zum Beispiel Software-Projekte wie Linux[2] (vgl. Siefkes 2010), ein (meist) kostenloses downloadbares Computerbetriebssystem, mit freier Software-Lizenz, die es gestattet

„[…] – ganz im Gegensatz zu den bekannten proprietären Lizenzmodellen – die Software nach Belieben zu vervielfältigen und weiterzugeben, weiterzuentwickeln und sogar zu verkaufen, vorausgesetzt, die Empfänger der Software erhalten wieder die gleichen Rechte und der vollständige Quelltext, der zur Erstellung der Software erforderlich ist, ist verfügbar“ (KNOPPER.NET 2014).

Oder auch  Firefox (vgl. Siefkes 2010), ein kostenloser Internetbrowser mit vielen Zusatztools, der Offenheit, Innovation und Chancen im Web fördern möchte. Dazu arbeitet, wie Mozilla selbst angibt, eine weltweite Gemeinschaft von Technologen, Denkern und Entwicklern zusammen, um vornehmlich das Internet für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich zu erhalten:

„Wir glauben, dass dieser Akt menschlicher Zusammenarbeit auf einer offenen Plattform unabdingbar für individuelles Wachstum und unsere gemeinsame Zukunft ist“ (vgl. Mozilla.org 2014).

Ein weiteres Beispiel stellt das 2004 ins Leben gerufene OpenStreetMap-Projekt dar, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine frei zugängliche ‚Weltkarte’ im Internet zu kreieren (vgl. FOSSGIS e.V. 2014a). Auf der Homepage des sich immer weiter entwickelnden Projektes wird ohne Abweichungen klar erklärt:

„Weil wir die Daten selbst erheben und nicht aus existierenden Karten abmalen, haben wir selbst auch alle Rechte daran. Die OpenStreetMap-Daten darf jeder lizenzkostenfrei einsetzen und beliebig weiterverarbeiten“ (FOSSGIS e.V. 2014b).

Und weiter heißt es:

 „OpenStreetMap beendet die Abhängigkeit von den Anbietern proprietärer Daten und setzt dem reinen Konsumieren kreative Aktivität entgegen. Durch die Zusammenarbeit der Projektmitglieder entsteht eine freie Geodatenbank, die weltweit allen Menschen zur Verfügung steht“ (ebd.).

Darüber hinaus existieren Programme wie das PEER-Projekt an Fahrschulen, welches mit Unterstützung der Europäischen Kommission das Ziel verfolgt, insbesondere zukünftige Fahranfänger für mögliche Risiken durch Genussmittel im Straßenverkehr sensibilisieren will. Gleichaltrige in Fahrschulen

„[…] informieren die Fahrschüler/innen in zusätzlichen Einheiten über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr und diskutieren zusammen über mögliche Folgen. In den so genannten PEER-Einheiten werden gemeinsam mit den Fahrschülern Strategien und Regeln entwickelt, wie alkohol- und drogenbedingte Rauschfahrten vermieden werden können“ (MISTEL/SPI Forschung gGmbH 2014).

Diese Beispiele zeigen (zumindest ansatzweise) eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Peer-Verfahren funktionieren können, wie sie angewendet werden und wofür sie stehen. Weiterhin unterstreichen sie nicht nur Benklers Feststellung, dass die Verbreitung kollektiver Produktionsformen bereits von großer Bedeutung ist (vgl. Schmaltz 2010: 174), sondern  auch, dass die Vernetzte Informationswirtschaft – an sich – zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gleichsam kann besonders durch die zitierten Aussagen der einzelnen Unternehmen/Projekte das gegenüberstellende ‚Rechenbeispiel’ zu Wikipedia und der kostenpflichtigen Encyclopaedia Britannica weiter verdeutlicht werden. Dies ist wiederum erneut eine Bestätigung zu Benklers Ansicht, die Effizienz sozialer Informationsproduktion steigere den gesellschaftlichen Wertezuwachs und führe dementsprechend auch zur weiteren Verbreitung der jeweiligen Inhalte. Die zukünftige Forschung wird zeigen, inwieweit die Medien als die Veränderung der Gesellschaft gesehen werden können und inwieweit und vor allem wohin – in welche Richtung, mit welchem Ausmaß – sich die so genannten Peer-Projekte hin wandeln oder weiterentwickeln. (vgl. ebd.: 180f).

[1] Schmaltz definiert Peer als Individuen, mit äquivalenten Beziehungen zueinander (vgl. ebd.; Fußnote 10)

[2] Korrekterweise GNU/Linux (vgl. KNOPPER.NET 2014).

 

Bibliografie

FOSSGIS e.V. 2014a. ©OpenStreetMap Mitwirkende. OpenStreetMap – Deutschland. http://www.openstreetmap.org/about (Zugegriffen: 28.04.2014).

FOSSGIS e.V. 2014b. FAQs: Fragen und Antworten. OpenStreetMap – Deutschland. http://www.openstreetmap.de/faq.html#was_ist_osm (Zugegriffen: 28.04.2014).

KNOPPER.NET. Dipl.-Ing. Klaus Knopper. 2014. Linux. http://www.knopper.net/linux/ (Zugegriffen: 27.04.2014)

MISTEL/SPI Forschung gGmbH. An-Institut der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). 2014. Konzept. (PPF). PEER-Projekt an Fahrschulen – Information und Aufklärung für Fahrschüler/innen und junge Fahranfänger/innen über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. http://www.peer-projekt.de/kid-55-titel-Konzept-PPF.html (Zugegriffen 27.04.2014).

Mozilla.org. 2014. Mozilla. Wir bauen ein besseres Internet. http://www.mozilla.org/de/mission/ (Zugegriffen 27. 04.2014).

Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, S. 174-181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verlag.

Siefkes, Christian. 2010. Was ist Peer-Produktion? Wie man nützliche Dinge herstellt – freiwillig und ohne Boss. Aus: Oya – anders denken.anders leben (Oya Medien eG). Oya Ausgabe 03/2010. http://www.oya-online.de/article/read/123.html (Zugegriffen: 27.04.2014).

 

 

 

 

Tilo Schmaltz – Der Paradigmenwechsel nach Benkler

Schmaltz beschreibt in seinem Text (nach Benkler) ganz grundsätzlich die Entwicklung von der industriellen Informationsgesellschaft hin zur sozialen Informationsgesellschaft, und deren Vorteile, wie z.B. geringe Grenzkosten (da hierbei keine Produktion weiterer Einheiten z.B. eines Informationsmediums besteht), sowie höherer Effizienz durch „gesellschaftlichen Wertezuwachs[es]“ (S.180). Als Voraussetzung für diese Entwicklung nennet er einen Paradigmenwechsel. Dieser ist zum einen von technologischer Art. Das heißt die Möglichkeit des Einzelnen vom privatisierten Computer aus über den Zugang zum Internet jederzeit Informationen individuell und zeitlich unabhängig abzurufen. Darauf aufbauend nennt er den sozialen Paradigmenwechsel insofern, dass die neuen technologischen Gegebenheiten ein kooperatives Verhalten „zu Gunsten der Allgemeinheit“ (S. 175) entwickeln. Eine Motivation also sich aktiv kollaborativ zu vernetzen. Eine Folge dieser Vernetzung ist eine Dezentralisierung der Produktionsmittel, also eine allgemeine und individuelle Verfügbarkeit dieser.

Quelle:
Schmaltz, Tilo. 2012. Kapitel 13 Vernetzte Informationsgesellschaft (Yochai Benkler). In: Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle, hg. von Daniel Michelis und Thomas Schildhauer, 174–181. 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos-Verl.